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Geschichten aus den Grenzlanden

#1
Heedyho!

Ich bin jetzt einfach mal so frech und hab ein neues Thema eröffnet zu den Grenzlanden, weil ich manchmal finde, das wir viel zu wenig Geschichten haben die auch erzählt werden. Big Grin
Vieleicht findet sich der ein oder andere der auch etwas für die Grenzlande extra gemacht hat und das hier teilen möchte.

Liebe winterliche Güße
Ceruna // Hedera Helix
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#2
Die Abenteuer von Hedera.


In einem von unbeugsamen Zäunen eingezäunten Dorf wohnt ein junges Mädchen, das nichts anderes will als frei zu sein. Dies sind ihre Abenteuer.


Frühling. erstes Jahr.

Die Spinnen des Alfredos. [Bild: zFWNHCqkroD3FhWhjcazLrYRBskO23cPdTuzfn-3...9JLpc9XyoA]
Der Tag war langweilig. Immer noch diese juckenden Pusteln überall, jeder kratzt sich und sie versucht immer noch jeden Kontakt zu solchen Leuten zu meiden, so gut es eben ging.
Aber sie war auch die Schülerin einer Heilerin, also gab es Tage, an denen ihr gar nichts anderes übrig blieb als sich mit diesen Leuten zu umgeben. Heute war sie jedenfalls wieder in der Heilstube, oder eher: Sie WAR dort gewesen. Wie ihr geheißen, hatte sie alles geputzt und alles gesäubert, den Topf für das heiße Wasser angezündet und die wenigen Werkzeuge der Heilerinnen in einer Schale daneben.
Wie sie dieses Putzmittel hasste, fühlten sich ihre Hände danach an, als könnte sie damit allein ohne jedes Werkzeug einen Holzklotz zu Holzmehl schleifen. Finja Weber, ihre, wie nennt man das eigentlich Pflegemutter? Pflegeschwester? Na die Frau, die sie halt aufgenommen hat. Und die Alte, deren Name Hedera nie im Kopf bleiben wollte, kochten das Zeug jeden Herbst ein und es stank einfach nur noch barbarisch für Tage.
Tagelang wurde diese Mischung unter Dreingabe von allen möglichen Kräutern eingekocht, bis nur noch eine zähe Masse übrig blieb, die man mit warmem Wasser wieder auflösen konnte.
“So kann man das besser lagern!" hatte die Alte gesagt, aber Hedera war das eigentlich egal, sie wollte nur schnell aus dem Geruch raus.
Letztes Jahr hatte sie schon mitgeholfen das Zeug herzustellen, eine Mischung aus Kastanienhüslen und Walnussschalen und “Ar-te-mi-SIA”, selbst in Gedanken hörte sie Finjas Worte noch langsam, laut und extra deutlich betohnt. Vielleicht war es das, oder die Langeweile einfach nur noch weiter irgendwas als Beschäftigung zu putzen, aber heute wollte sie einfach nicht mehr.
Sie ging aus der Heilstube noch ehe Finja die Gelegenheit bekam, sich was Neues auszudenken. Irgendwas hatte man ihr noch nachgerufen, aber sie hatte kein Wort mehr verstanden, aber vermutlich sowas wie: Gieß den Garten! oder: räum Zuhause auf! oder: Stell nichts an! Für heute war sie einfach nicht mehr in der Lage, brav irgendwas zu putzen und sich dabei zu Tode zu langweilen.
Sie schlendern über den Marktplatz, als sie die Haushälterin des Dorfvorstehers traf, sie suchte gerade einige Kinder oder Jugendliche für ein bisschen Hilfe bei ihrer Arbeit. Als Bestechung hatte sie, und das war der Grund, warum Hedera sie mochte und immer gerne ihre Arbeiten annahm, Eichelkekse. Kekse aus Mehl von Eicheln. Hedera mochte das sehr, auch wenn sie nicht selten wegen des nostalgischen Geschmacks weinen musste.
Sie hatte nie gefragt, woher die Dame dieses Rezept hatte, sie hatte nur mal erwähnt, dass ihre Mutter das von einer Reise mitgebracht hatte. Ein sehr ähnliches Rezept gab es auch in der Familie von Hedera, aber seit jenem Schreckensjahr, hatte sie keinen Krümel ihrer Heimat je wieder gesehen. Außer, ja außer dieser Kekse, die sie sich hin und wieder für ein paar Arbeiten verdienen konnte.
Heute brauchte die Haushälterin Hilfe bei der Reinigung des Dachbodens.
Die nette Dame hatte eine “böse Hüfte", wie sie immer selbst sagte, hatte eine Hexe sie getreten und seitdem ist klettern einfach zu schmerzhaft.
Hedera schnappte sich einen Keks und schwupps war sie auf dem Dachboden des Dorfvorstehers, um die “Spinnen” aus dem Haus zu treiben. Bewaffnet mit einem zotteligen Ast und einem Eimer, sie stockte. War sie gerade schon wieder am putzen? Sie war doch gerade erst wieder weg gestromert, weil sie darauf gar keine Lust hatte. Aber immerhin gab es dafür Kekse und es machte ja auch irgendwie Spaß. In der Heilerstube sah man nie, wenn etwas sauber wurde, hier sah man es sofort. Schnell nahmen alle “Spinnen” reißaus und flüchteten aus allen Ecken aus dem Haus, während Hedera die Staubdrachen bekämpfte, die wild umherwirbelten. Einer der nach dem anderen fiel einem von Hedera erzeugten Windzug zum Opfer und schnell waren alle “Spinnen” auf dem Dachboden verbannt. Da gab es unten einen lauten Schrei. Schnell war Hedera, noch außer Atem von ihrem Drachenkampf, unten, um zu sehen, was los war und zu helfen.
Da musste sie auch schon kichern. Die ältere Haushälterin eigentlich nur eine Regel und Hedera hielt sich im Allgemeinen sehr daran: Das Wort Maus oder gar Ratte ist mit Spinnen zu ersetzen. Dafür löcherte die Haushälterin sie nicht mit Fragen über ihre Vergangenheit. Hedera erschien das sehr fair.
Aber jetzt stand die Dame mit einem Kochlöffel bewaffnet auf einer Kiste voller Rüben und schrie um ihr Leben als eine Maus, nein ein Mäusedämon vor ihr saß und sie drohte mit neugierigen Knopfaugen in den Untergang zu reißen.
Das kleine Ding war sicher bei seiner Flucht vom Dachboden, zwischen den Dielen durchgefallen und war genauso perplex wie die Haushälterin.
Schnell bewaffnet mit einem Topf, der gerade vom Spülen abgetropfte, war der Mäusedämon auch schon, KLACK KLING, im Topf gefangen und Hedera hielt den Deckel zu.
Jammernd und unter Schmerzen stieg die, eher olde als holde und eher alt als Jung, holde Jungfrau von ihrem Turm und setzte sich auf einen Stuhl, ehe sie Hedere schnell weg winkte, den Dämon zu entsorgen.
Hedera nickte, schnappte sich noch zwei der Kekse und ein paar von den Krümeln und machte sich mit dem Topf bewaffnet auf den kleinen Dämon in seinem Topf hinter den Palisaden frei zu lassen.
Sie ging gar nicht so weit, nur bis zur nördlichen Baumreihe, oberhalb der Werkstatt. Dort setzte sie den Topf ins Gras, baute aus kleinen Stöckchen und ein paar Flusssteinen eine kleine Höhle für den grässlichen Dämon mit den süßen Knopfaugen. Dort legte sie die Krümel von den Keksen hinein und ein paar Flusen aus ihren Taschen und etwas Heu, das sich meistens irgendwie immer in ihren Haaren fand.  Ein Bett, das man sich nur noch bauen muss, ein kleines geschütztes Haus (wenn es auch nicht für immer halten würde) und eine kleine leckere Mahlzeit nach dem ganzen Schrecken, den man verbreitet hat, klang doch gut.
Hedera drehte den Topf ganz behutsam auf die Seite und so wie sie den Deckel zur Seite zog, FLUPP!, war der Dämon in seinem neuen Zuhause.
Ein paar Momente blieb sie noch, irgendwie hoffend, der “Spinne” gefiel ihr neues Zuhause und würde gleich rauskommen, um sich zu bedanken, aber natürlich nicht. Also ging sie, spülte beiläufig den Topf im Fluss und brachte ihn zurück zu seiner Besitzerin.

[Bild: dsOfzEIpCo5cAkolsyigt91EGdPMaCtCc3OUZ5-D...mKjD6db09w]











Sommer. erstes Jahr.

Das Versteck vor aller Augen. 
Sie platzte fast vor Zorn, sie war doch nicht durch die Hölle und zurück gegangen, um niemals frei, sondern immer nur zu arbeiten! Wütend schlug sie Finja mit einem lauten Schlag die Tür vor der Nase zu. Der Streit war sicher auch noch quer über den Marktplatz zu hören gewesen. Sicher: Hedera half gerne in der Heilerstube und wollte sich ja auch erkenntlich zeigen für ihre Rettung und die nette Unterbringung, aber es war doch sicher nichts verkehrtes daran, auch mal raus zu wollen, ohne dass gleich eine halbe Garde bei ihr war. Sie wollte in die Wälder! Hier gab es so viel mehr Wald als in ihrer Heimat, sie wollte erkunden und Tiere finden! Stattdessen sollte man immer nur schlafen, essen, putzen, helfen, Dinge tun und vor allem: “BLEIB! in der Mauer!!” hallte Finjas Stimme immer noch in ihrem Kopf. Noch wütender sprang sie durch die Wohnstube, während die Heilerin versuchte, die Tür wieder zu öffnen, die sich doch leicht verzogen hatte durch den Schlag und nicht sofort aufgehen wollte. Ha! Geschieht ihr Recht!, dachte Hedera bei sich, griff ihren Rucksack, der unter ihrem Strohbett immer gepackt lag, mit dem Allernötigsten. (Was sie so für nötig hielt: Ein kleines Messer, eine billige dünne kurze Decke, ein bisschen Trockenfleisch und eine in die Decke eingerollte Flasche mit Wasser. Nichts was auch nur auffallen würde, wenn es weg wäre.). Schnell war sie aus dem Fenster geklettert, an der Wand entlang, da ging innen die Tür auf und sie hörte Finja ihren Namen brüllen. Runter über die Kisten hinter dem Haus, durch die Hecke neben dem Zaun, an den Ställen vorbei und sie war außer Sicht. Hier hinter den Strohballen am Rand der Palisade hockte sie nun und zog so leise die Nase hoch, wie sie nur konnte. Was sollte sie jetzt machen? Weg? Aber wohin?
Sie seufzte und weinte leise vor sich hin, sie war fester Überzeugung, dass niemand wusste, wo sie war. Nun, damit blieb sie die einzige. Der Stallmeister wusste immer wenn sie in der Nähe war: Eine der Stuten war verrückt nach Hedera und folgte ihr immer wenn sie in der Nähe war. Daher wusste der Mann sehr wohl Bescheid, als Hedera sich hinter dem Stroh versteckte, vor dem eine Stute mit fragendem Blick stand.
Es dauerte auch nicht lange, als Finja nach ihr fragen kam und der ältere Mann nur bedeutete, sie sollte flüstern und ihr genau verriet, wo sich Hedera befand. Man solle ihr mal etwas Platz lassen, er würde das von seinen Töchtern schon kennen. Wahrscheinlich war es so, vielleicht auch nicht, Hedera wusste ja selbst nicht wohin mit sich, oder wie sie mit alledem fertig werden sollte.
Ein für diese Jahreszeit viel zu warmer Windzug ließ sie aus ihren Gedanken wach werden.
Wo kam der her? Er pfiff ihr so warm um die Knöchel. Hier hinten hinter der Palisade sollte es eigentlich kühl sein. Sie tastete umher und fand den Verursacher des Stroms: Einer der breiten Posten der Mauer war unten morsch geworden und ein gutes Stück war herausgebrochen, vermutlich durch Füchse und Wildkatzen, die sicher hier entlang immer ins Dorf gelangen. Ob sie da auch durch passte? … Etwas graben und etwas weiteres aufbrechen und sie war aus der Mauer, dreckig aber draußen.
Ein bisschen bekümmert, guckte sie auf die Mauer, schnappte sich ihren Rucksack und zog einen Heuballen enger an das Loch um es etwas zu verschließen, damit es nicht so auffällig war. Dann ging sie einfach los. So direkt unterhalb der Mauern schauten die Wachen nicht so gründlich, da war es einfach, einfach weg zu kommen. Dann musste sie nur lauschen, bis der Wächter eine neue Runde antrat und Schubs war Hedera schon im Südlichen Wald. Immer wieder blieb sie stehen und hinterfragte ihre Entscheidung, aber jetzt war es nun mal so und sie wollte gerade einfach nicht zurück ins Dorf. Der frische Waldgeruch lockte sie immer weiter weg von den Mauern Fichtenhalls, hin in den Wald. Es dauerte eine kleine Weile, da bekam sie Hunger. Verdammt.
Aber der Wald hatte gute Laune, nicht weit, fand sie einen Strauch mit Beeren, nicht viele und die meisten waren noch nicht reif, aber um schnell was in den Magen zu bekommen, war es ok. Ein Stückchen ging sie noch weiter bis sie das Wasser hören konnte und genau dort fand sie das Versteck, das sie noch Jahre nutzen würde: ein umgestürzter Baum an einem kleinen Abhang, der eine kleine Höhle verdeckte. Sie war eigentlich recht groß und sicher hatte hier irgendwann mal ein Bär gewohnt, aber das Moos auf dem Boden, die Pilze an den Wänden und die wuchernden Wurzeln sagten ihr: Hier war schon lange niemand mehr. Selbst die Haare des Bären, der hier mal gewohnt haben könnte, waren schon zu Erde geworden. Für Hedera war es das beste Versteck, das sie sich nur vorstellen konnte, es lag an einem Hügel, so dass das Wasser nicht in die Höhle drang, sondern einfach zum Fluss abfließen konnte. Der Baum sorgte auch dafür, dass es nicht zu sehr hinein regnen konnte und blockierte Wild und Wind. Sie freute sich einfach über ihren großartigen Fund und richtete sich ein bisschen ein: fegte mit einem Tannenast totes Moos und Insekten heraus, kleidete die Höhle mit frischen Zweigen aus, glättete die Wände mit ihren Händen und Erde die sie mit etwas Wasser aus ihrer Flasche knetete und Via “Schlammkuchen” an die Wände in die Vertiefungen drückte. Vielleicht könnte Anton ihr ein bisschen mit Ratschlägen helfen? Sie biss sich auf die Zunge, ohne etwas gesagt zu haben, diese Leute? Sie wollte hier doch ihr Versteck einrichten, als eben jene ihr zu viel wurden.
Sie setzte sich in ihre Höhle und dachte nach. Wie sollte sie eigentlich ihre Höhle warm bekommen? Der Sommer hielt sicher nicht für immer und irgendwann würde es hier sehr kalt werden. Sie bräuchte so etwas wie einen Kamin oder eine Tür oder beides. Und was war eigentlich, wenn die  Jäger von Fichtenhall diese Höhle finden würden? Würden diese sie nicht sofort verraten? Hedera zeichnete mit einem Ästchen in die Wände ohne darüber zu viel nachzudenken. Das war jetzt ihre Höhle. Sie zeichnete allerlei grobe Tiere, den Wald und versuchte sogar eine Hütte zu zeichnen. Nach einer Weile betrachtete sie ihr Werk und fügte zu der Hütte noch einen Pfeil entlang der grob nach Fichtenhall deutete. Sie war ja nicht mal 2h weit gegangen, im Zweifelsfall musste sie nur nach Süden laufen bis zum Fluss und diesem Stromaufwärts bis zum Weg folgen, dann war es einfach. Finja hatte ihr eingeschärft wo Fichtenhall lag, damit sie, … Verdammt. Damit sie “immer wieder nach Hause” fand. Hedera schnüffte und fühlte sich gerade gar nicht mehr so wohl in ihrer Höhle. Sie wollte nach Hause, auch wenn sie sich manchmal nicht sicher war, wo das jetzt war.[Bild: vq_5Hqj2E6iTr7YaTnejhoym58hW9YbzRC19ANp9...CAXDjIx8fw]
Langsam packte sie ihre Flasche mit dem Wasser wieder ein, stopfte sie in den Rucksack und kam wieder aus ihrer Höhle, draußen dämmerte es langsam und erst jetzt wurde ihr klar, warum sie so Hunger hatte und wie spät es war. Eilig machte sie sich auf den Weg zurück nach Fichtenhall, zurück nach Hause. Wieder passte sie die Wache einfach ab, wieder direkt an die Mauer und dann musste sie nur ihr Loch wiederfinden, das war nicht so schwer. Den Heuballen wieder zur Seite und sie war wieder innerhalb der Palisaden. Etwas Stroh war ihr zu dürftig, um das Loch zu schließen, aber ein Fass war genau richtig! Damit hätte jeder von draußen ein Problem, das einfach mal zur Seite zu schieben, aber Sie selbst konnte es ja einfach zur Seite rollen. So war sie wieder in Fichtenhall, ging auf die andere Seite zum Fluss, um sich den schlimmsten Dreck abzuwaschen und dann genauso wieder ins Haus. Wobei sie erst mal ein paar Kisten finden musste, um auf diese wieder hoch zu klettern. Finja musste alle weggeräumt haben, damit sie nicht wieder aus dem Fenster klettern konnte. Hier war es so schön warm. Hedera legte ihre Kleider über die Kiste am Bettende, rollte sich ins Stroh und war so hungrig, wie sie war, aber auch eingeschlafen. Vergangen war ihr Zorn über den Morgen und als Finja wieder in die Schlafstube ging und Hedera friedlich schlafend vorfand, war auch ihr Zorn verraucht, sie hatte sich viel zu viele Sorgen gemacht gehabt als das sie noch wirklich wütend bleiben konnte.[Bild: EGB0zw4dc-6eRA3rPBtimdmSfDS4XDiQid1ViIw7...iMGeaUovJw]
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#3
Winter. Drittes Jahr.


Hederas Gedanken.

Es dauerte etwas, bis Hedera das Abenteuer im Norden richtig verarbeiten konnte und sich wieder ein bisschen gesammelt hatte. All diese Eindrücke und das Gelernte musste sich ein bisschen setzen, ehe sie daraus für sich Schlüsse ziehen konnte. Jetzt lag sie mal wieder auf dem Strohbett und starrte an die Decke. Finja schlief sicher auch schon, es war ja auch mitten in der Nacht. Arti lag bestimmt wieder in der Wohnstube und schlief oder döste, bis wieder jemand wach war, der ihm Futter gab oder Beschäftigung. Hedera seufzte, es ging ihr so viel durch den Kopf, so war schlafen einfach unmöglich.
Das Treffen mit Gunnar, der sie an ihren Lehrer erinnerte, auch wenn sie nicht viel Zeit miteinander hatten, so war sie doch fasziniert von seiner Lebenseinstellung. Es gab so viel Leben auf dieser Welt und alles, was es gab und wie empfindlich dieses Gleichgewicht war.
Schnell ging ihr Griff unter ihr Strohbett und der immer parate Rucksack war auf ihrem Rücken, ebenso schnell war sie aus dem Fenster, die Kisten runter, an den Stallungen vorbei und hinaus durch ihren geheimen Gang, der inzwischen sicher schon bekannt war, aber dennoch unverschlossen.
Raus aus den Mauern war so einfach für sie geworden wie das trinken von Wasser. Mit wenigen Schritten war sie aus Fichtenhall, unbemerkt und raus zu ihrem Versteck. Auf halber Strecke blieb sie stehen und lauschte der Mitternächtlichen Natur. Ein Eichhörnchen war unterwegs und huschte im Unterholz leise hin und her, irgendwo waren sicher auch Wildschweine und Rehe auf der Suche nach Futter im winterlichen Wald. Hedera war auch auf der Suche, auf der Suche nach Ruhe und Stille in ihrem eigenen Geist der heute völlig verrückt spielte. Sie atmete die kalte Luft ein und ging weiter, hier draußen könnte sie nicht zu lange bleiben, es war zu kalt und sie hatte keine richtige Kleidung für diese Temperaturen. Sie war aus allem rausgewachsen und es dauerte etwas, bis sie genug mit ihren Arbeiten in der Heilerstube verdient hatte, um sich richtige Winterkleider zu leisten. Aber in ihrem Versteck würde sie eine Weile bleiben können.
Ihr Versteck war inzwischen nicht nur ihr Zufluchtsort, es gab immer wieder Besucher wie sie an den deutlichen Veränderungen erkennen konnte. Vielleicht gab es auch ein paar jüngere Kinder die hier immer wieder herumtollte. Das störte sie normalerweise nicht, heute auch nicht, es störte sie nur wenn mal wieder jemand versucht hatte die Höhle zu versperren. Es war schwer für sie das wieder zu korrigieren und alles wieder „bewohnbar“ zu machen. Heute allerdings war alles in Ordnung, es gab keine größeren Veränderungen außer das jemand einen kleinen geschnitzten Winterstern an den Eingang gehängt hatte. Wusste Finja von ihrem Versteck? Hedera wusste nicht, wer alles von ihrem Bau wusste, oder nicht wusste und solange sie hier einen Rückzugsort hatte war es ihr auch egal. Seit dem sie sich zur Höhle flüchten konnte ging es ihr einfach besser, weil sie wusste das sie einen Ort hatte wo sie niemand störte und wo sie immer Schutz finden würde, selbst vor denen, die sie eigentlich mochten und es gut mit ihr meinten. Ein paar Augen sahen sie aus der ferne an. Ein Reh hatte sie entdeckt und sah vom Waldrand zu ihr. Deutlich sah man den Mond auf winterlichen Fell glänzen. Hedera sah das Tier mindestens so lange an wie das Tier sie. Was hatte Druide gesagt? Thojio... nein wie war der Name dieses Heiligen nochmal? Ach das war eigentlich nicht so wichtig, aber der Mann hatte gesagt „Seine Gestalt ist der immer lebende weiße Hirsch.“. Sie guckte das Tier weiter an, das war eher eine Hirschkuh, oder ein sehr junger Hirsch, denn da war kein Geweih auf dem Kopf. Dennoch machte sie eine Verbeugung und sprach leise, auch wenn das Tier sie sicher nicht verstand. „Grüß deinen Herren von mir.“. Damit ging sie in ihren Bau. Dieser hatte inzwischen sogar so was wie eine Türe aus alten Borken die an einige verbundene gefurchte junge Stämme gepresst war.[Bild: epNHLQrw5igHzOZjn_SmjJ5m09du60yQM940Wfia...SQfkt_6oMw]
Es war kühl in ihrer Höhle, aber nicht so kühl wie außen, schon der Türe wegen. Sie hatte inzwischen sogar sowas wie einen rudimentären Ofen. Eigentlich nur eine Feuerstelle, die sie aus der Erde gegraben hatte, mit einem Schacht nach oben und einem Brett, das als Luftventil diente. Auf der Höhle wiederum hatte sie vor einem Jahr einen alten Baumstamm gerollt und dieser verhinderte nun, dass die Tiere versehentlich in den Bau fallen konnten. Diese Lektion hatte sie damals gelernt, als sie auf einmal vor einer kleinen Schar aus Eichhörnchen gestanden hatten, die gar nicht so recht wussten, wo sie waren und wie sie dort hingekommen waren. Seit dem Baumstamm mit seinem Loch, war das nicht mehr passiert, auch nicht seit sie, wenn sie ging, das Loch von innen mit einem Stück Holz verschlossen war.
Jetzt nahm sie das Holzstückchen wieder weg, um ein kleines Feuer an zu machen, das war nicht ganz so schwer, seit sie ein kleines Feuerstahlset in der Höhle hatte. Ein bisschen Holz hatte sie auch immer da. Nicht viel, aber es reichte für zwei Stunden angenehme Wärme. Genau was sie jetzt brauchte. Einige ruhige Versuche mit kühlen Fingern später knisterte ihr Miniaturfeuer vor sich hin. Angelo hatte ihr beigebracht, wie man Feuer machte und was es mit dem Feuer auf sich hat: wie viel Holz ein feuer brauchte, wie viel „Raum“ ein Feuer von einer bestimmten Größe erwärmen konnte. Dieser Pfennigfuchser war sehr knausrig, wenn es um solche Dinge ging. So wusste sie, dass ein kleiner Holzscheit für ihre Höhle mehr als ausreichend war und sie einen „Kamin“ brauchte, damit sie nicht ersticken würde.
Frustriert rubbelte sie sich durch die Haare, verdammt, ihr Kopf wollte einfach keine Ruhe geben. Diese Jäger, die sie getroffen hatten und das Mädchen, das sich so untypisch verhalten hatte. Oder die Jäger selbst, die ihre Beute nicht mal ausgenommen hatten, oder die Tiere gehäutet hatten. Das war ebenso seltsam wie die Familie, die sie mitten in der Nacht vor den Wölfen geschützt hatten. Hedera wurde nicht schlau aus der Geschichte. Sie war sicher nicht die schlauste, die es gab und sicher gab es Leute, die viel mehr verstanden als Hedera. Schmieden verstand sie zum Beispiel nur im Ansatz, oder auch Backen. Wie wurde aus Mehl und Eiern oder Wasser, oder Milch überhaupt ein Teig? Wie passierte das? Sie zermarterte sich das Hirn, aber es wollte in den Windungen ihres Verstandes keinen Sinn ergeben.
Dafür verstand sie Tiere, die meisten zumindest. Sie lauschte, war da nicht eben noch ein Geräusch gewesen? Sie öffnete die Tür und in weiter weiter Ferne klang ein Wolf und Hedera musste das Gefühl unterdrücken, den Ruf zu antworten. Wie gerne hätte sie zurück geheult, denn so traurig klang der Ruf durch die Nacht. „Ich bin allein, es ist kalt, wo ist meine Familie?“, so klang es in ihrem Kopf. Aber sie wusste, dass sie unter keinen Umständen jetzt antworten durfte, egal ihrer Gefühle. Seufzend schloss sie die Türe ihres Verstecks wieder und verzog sich auf die Tannenäste, die auf einer Ecke als kleiner Haufen lagen.
Gerade dachte sie noch darüber nach wie großartig es sein musste mit den Wölfen zusammen durch den Wald zu rennen, oder mit Arti zusammen. Auf einmal fuhr sie Hoch das sie ganz aufrecht saß. Und wenn dieser .. wie war sein Name Storgvarg? oder so ähnlich? Einfach nur Angst hatte. Der Gedanke fesselte sie zutiefst. Was wenn er einfach nur tiefe tiefe Angst hatte? Jeder wusste, was passierte, wenn ein Tier zu viel Angst bekam. Was war, wenn dieser riesige Wolf einfach nur Angst hatte? Sicher er war riesig und stark, was sollte er fürchten? Einsamkeit? Kälte? Hitze? Hunger? Hedera guckte in ihr Feuer und blinzelte, ob des Merkwürdigen Gedankens, aber es würde Sinn machen. Nach dem was Gunnar erzählt hatte, war dieser Wolf doch der aller erste gewesen, was ist wenn er Angst hatte alleine zu sein, eben weil es keinen wie ihn selbst gab und diese, ... verdammt wieder war ihr ein Name entglitten, diese Frau, einfach nur eingeflüstert hatte das er für immer alleine sein würde? Hedera kannte diese Angst nur zu gut und wusste wie zerstörerisch es war. Einerseits wollte sie ja auch nicht alleine sein, auch wenn sie Alleinzeit ebenso brauchte wie Wasser oder Brot, auf der anderen Seite hatte sie manchmal so große Angst das sie andere fast schon aggressiv weg scheuchte.
Das Brechen des Holzscheites erinnerte sie daran, wie lange sie schon in ihrem Bau war, sie sollte langsam wieder zurück, sonst würde Finja einen Anfall bekommen, wenn sie beim Wachwerden sehen würde, dass Hedera immer noch nicht wieder zurück war.
Das diese sich manchmal für einige Stunden verzog, war inzwischen ja bekannt, aber man hatte diese unausgesprochene Abmachung, dass sie immer wieder zurück kam und nie zu lange einfach weg blieb. Hedera trank ihre Flasche mit Wasser noch aus und kippte den Rest des Wassers auf das Feuer, ehe sie auf dieses 2 Hand voll Erde schüttete um es zu ersticken, dann wieder das Holzbrettchen um den Kamin zu verschließen an seinen Platz. Sie verließ langsam wieder ihren Bau und sah zum Himmel. Bald würde die Sonne aufgehen, wäre es denn Sommer, so würde es noch ein paar Stunden dauern. Sie rückte ihren Rucksack zurecht und lauschte erneut. Der Wolf war still. Den Weg zurück nach Fichtenhall kannte sie so gut, sie hätte ihn auch blind gefunden, dennoch blieb sie vor den Mauern stehen und sah zurück zum Wald, wo sie ein paar Augen vermutete, aber es war nichts für sie zu sehen. „Hab keine Angst, Freunde und Familie gibt es in allem. Mein kleiner Bruder ist ein Bär.“, sprach sie leise gegen den, warte. Der Wald, er war lautlos geworden. Hedera rann ein Schauer über den Rücken und schnell war sie unter den Palisaden wieder im Inneren des Schutzwalls. Es war nie gut wenn der Wald erstarb. Das bedeutete nur das Jäger unterwegs waren, Bären? Zu dieser Jahreszeit? Hedera liebte die Natur, aber von Finja und den anderen Dorfbewohnern wusste sie das auch großen Respekt braucht vor den Jägern der Wälder, denn diesen war ihre Liebe gleich. Hedera war schlau genug um zu wissen welchen Kämpfen man am besten aus dem Weg ging und welche man führen musste. Selten suchte sie sich größere Gegner als sie selbst, außer zum Training. Aber selbst wenn sie in einen Kampf verwickelt wurde, den sie selbst nicht führen wollte, so ließ sie ihre Freunde dennoch nie im Stich, denn wenn sie eines wusste, dann war es: Ein Wolf ist gefährlich, ein Rudel ist tödlich. Man verrät seine Freunde nicht, man lässt die seinen nie im Stich. Sie würde das nie machen.
„NIEMALS!“ flüsterte sie fest, als sie hinter den Strohballen am Boden saß und auf ein Geräusch des Waldes wartete, aber es blieb still, bis sie wieder im Bett war.[Bild: jReIAiY_31DN7wpw7f949fNNAcnIjOjEjRng5GRB...v3Fy2dakmQ]

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#4
Herbst. Erstes Jahr.

Ihre Taschen waren schwer und voll von all den Kräutern, die sie gesammelt hatten. Hedera fühlte sich wie ein Packesel für die alte Heilerin, mit der sie unterwegs war. Es war früher Herbst und bald würden die Blätter fallen, aber auch, dass bald die Sammelzeit für die meisten Kräuter vorbei war. Das verstand Hedera zwar nicht ganz, aber sie begriff, dass es wichtig war, also half sie der alten Dame bereitwillig so viel zu sammeln wie sie nur konnten, um für den Winter und einen Teil des Frühjahrs gewappnet zu sein, mit allem was nur ging.
Sie sammelten Lavendel von den wenigen Wiesen und Hauptsächlich um die Getreidefelder die schon brach lachen, Salbei von den Steinen in der nähe, Minze vom Wasser und ein gutes Dutzend das Hedera sich nicht so recht merken konnte. 3 volle Müllersäcke schleppte Hedera auf einer Trage hinter sich her und hob einen Beutel in den Händen. Sie waren schon für 3/4 des Tages unterwegs um die ganzen Kräuter zu sammeln als sie endlich zurück nach Fichtenhall liefen um alles in der Heilstube abzuladen. Kaum hatten sie alles abgeladen, wurden sich die nächsten Sacke geschnappt und es ging direkt wieder los, dieses mal mit langen Greifwerkzeugen, wie Zangen mit viel zu langen Stielen. Auf den Rücken bekam jeder einen Korb geschnallt und die Säcke in die Körbe. Damit, und einigen anderen Kindern ausgerüstet ging es wieder zum Wald zurück. Oh nein. Hedera hatte ein übles Gefühl in der Magengrube, langsam konnte sie sich vorstellen was sie gleich sammeln würden und sie würde Recht behalten: sie sammelten Kastanien und Walnüsse samt ihrer Hülsen. Die Kinder blieben im Ort, um dort alle Bäume einzusammeln die frei für alle waren, wie die am Marktplatz und die bei den Ställen. Hedera und die alte Dame gingen in den Wald. Sie fanden auch einige Beerenbüsche die sie in kleinere Körbe in den Händen sammelten und Moose und Farne und Pilze die sie in die Müllersäcke packten und auf die Nusshülsen legten.
Nach kurzer Zeit waren sie wieder vollgepackt und so würde das noch die nächsten Tage gehen, jeden Tag ging es für eine Woche lang, noch vor dem ersten Sonnenschein, raus zum Kräutersammeln und dann kochten sie die ganze Nacht lang die Kräuter ein. Sie fand es aufregend, dass alles zusammen gerührt wurde, aber es war auch schrecklich anstrengend. Nach einer Woche sah das Lager der Heilstube aus, als hätte jemand den Wald hier drin ausgekippt. Ebenso roch es auch: irgendwie pilzig, muffig, frisch und streng nach Tannennadeln. Hedera hatte die tolle Aufgabe die ganzen Pilze zum Trocknen vorzubereiten: also alle mit einem Garn aufzureihen. Danach wurden sie auf Hake in einem trockenen Schuppen aufgehängt, zusammen mit den anderen Gütern zum Trocknen, wie diverse Kräuter und einige Moose, die sie nicht kannte. Es dauerte fast den ganzen Tag, das vorzubereiten, damit man es länger lagern konnte.
Jeden Tag hatte sie die Aufgabe die Kräuter zu wenden und zu sehen, dass auch nichts heruntergefallen war und wenn doch, die Sachen zu säubern und wieder an ihren Platz zu bringen. Auch hier musste jeden Tag geputzt werden, sonst lockte es zu viele Mäuse oder sogar Ratten an. Eine langweilige Aufgabe, aber sie verstand die Wichtigkeit.
Nachts wechselte sie sich mit den beiden Heilerdamen ab, beim Einkochen der anderen Dinge.
Walnüsse wurden eingeweicht, geschält, gehackt, und dann gekocht, das Öl abgeschöpft und die Masse eingekocht bis es eine dicke weißgelbe Masse war die dann ebenfalls zum Trocknen auf Platten ausgegossen wurde, danach wurde daraus Mehl gerieben und diente den Bäckern als Notfallreserve für Brote und zum Würzen für die Taverne. Das Öl behielt man in der Heilstube, um darin Kräuter für Tinkturen einzulegen und Salben zu kochen. Sehr viele andere Möglichkeiten für Öl gab es hier im Norden nicht, außer direkt das Fett von Tieren, aber die ältere Heilerin nahm sehr viel lieber Pflanzenfette für ihre Salben, da diese nicht so schnell ranzig wurden.
Hedera konnte sich das meiste davon nicht behalten, aber das musste sie auch nicht sofort, dafür gab es das Rezeptbuch, das die alte Dame hütete wie ihre Augäpfel. Es war das Wichtigste, was die Heilstube zu bieten hatte, in diesem Buch standen fast alle Rezepte, die in der Stube Anwendung fanden.
Die ganzen Salben wurden in Gläser, Dosen und Lederbeutel gefüllt und dann in das Lager gelegt. Zu dieser Jahreszeit war das Lager meistens gut voll, als Vorbereitung für den Winter.[Bild: SbPPqs4nIXDmHIHK_Qvm4mgJrYjGe73hDNmzT_hs...35MfXTz7Lw]
Ihr Herbstabenteuer schien mal wieder sehr langweilig zu werden: Kochen, putzen, Waren umdrehen, lernen, lernen, lernen. Nicht sehr Spaßig aber sie fand immer wieder Zeit um zu ihrer Höhle zu kommen um sicher zu gehen, das keine Tiere sich darin verirrten und keine Schäden entstanden waren. Manchmal kam sie sogar dazu sich mit den Leuten zu Unterhalten die inzwischen ihre Freunde und Ersatzfamilie ansah. So kam es auch dass sie Wissen aufschnappte wie sie ihre Höhle besser machten konnte. Eine Türe aus verwebten Holz und wenn man dann Borke in die Fugen stopfte, war die Türe fast dicht. Dann fand sie einen Weg die Borke auch noch so zu nutzen das die Türe besser getarnt war.
Aber etwas stimmte nicht, als sie wieder zurückkam, um ihren Pflichten nachzugehen: Das Lager war zerwühlt und in der Heilerstube herrschte Chaos. Die meisten Salben und andere Heilmittel waren noch da und lediglich zerkratzt und mit kleineren Beschädigungen, vermutlich durch das herunterfallen aus den Regalen. Jemand hatte etwas gesucht, soviel war klar. Finja war schon im Lager am aufräumen während die ältere Heilerin, deren Name Hedera immer wieder entfiel, in der Stube alles kontrollierte und „Inventur“ machte, wie sie es nannte. Hedera konnte dabei nicht wirklich helfen, also machte sie sich lieber daran herauszufinden, wer oder was dieses Chaos angerichtet hatte. Es gab erst mal keine Einbruchsspuren, aber das war nicht weiter verwunderlich, denn diese war die meiste Zeit nicht abgeschlossen, zumindest nicht die offene Stube wo Patienten und Leute die auf behandeln warteten, warten konnten ohne gleich in der Kälte draußen zu bleiben. Auch dann wenn die ältere Dame mal raus kurz musste oder gerade im Schuppen etwas holen war. Es gab also keinen wirklich Grund Tagsüber Einbruchsspuren zu hinterlassen. Hedera wusste nicht viel von solchen Dingen, aber sie tat das was Finja ihr immer wieder sagte: Wenn du etwas nicht verstehst, dann mach langsam und stell dir immer eine Frage nach der anderen und immer eine Antwort nach der anderen, sonst wird es Zuviel und man verstrickt sich leicht. Hedera konnte nicht stricken. Daher ging sie alles nach und nach an. Die Tür war offen und hatte keine Beschädigungen, also war es vermutlich keines der Nachbarkindern mit einem Ball oder so etwas, das hätte sicher irgendwo Schäden verursacht, die Fenster? Waren alle in Ordnung und ganz. Also, Fußspuren gab es hier JEEEEDE menge, auch Pfoten abdrücke der wenigen Hunde und Katzen im Dorf, damit konnte Hedera nicht anfangen als war die nächste Frage ob sie, oh das war eine gute Idee! vielleicht konnte sie dem Geruch folgen! Soviel sie in den letzten Tagen eingekocht hatten, wenn etwas fehlen würde, würde es sicher noch ein, zwei Tage danach riechen. Aber so toll ihr Plan auch klang: Sie war kein Hund und konnte daher keiner Duftspur folgen, vor allem nicht als sie auf dem Marktplatz „strandete", wo eine Dame aus dem Westen die „ihre Schwester besuchen will, da sie nicht auf Briefe reagiert“. Manchmal kamen sehr sehr seltsame Leute in das kleine Dorf am Ende der Welt. Diese Dame roch, als wäre sie in Parfumflakons gefallen, das sogar Hedera Kopfschmerzen beim Riechen verursachte.
Ein lauter Schrei ließ sie zurück zur Heilstube rennen, wo die alte Dame auf einer Liege saß und Finja versuchte zu beruhigen: Das Buch war weg. Jemand hatte das Buch einkassiert und war damit verschwunden. Hedera verstand, dass es wichtig war, das Buch wieder zu bekommen, aber sie verstand nicht, warum es jemand entwenden würde. Es würde niemandem helfen, der nicht lesen kann, es muss also jemand sein, der lesen kann. Es würde auch keinem helfen, der nicht rechnen kann, also musste derjenige auch rechnen können, aber viel wichtiger war: Es half niemanden, der die Sprache der Heiler nicht verstand. Soll heißen: Die Rezepte standen zwar in dem Buch zu allen Salben und Tees, Likören und Sirup, sowie Tinkturen und sogar heilsames Essen, aber es stand doch an keinem daran, wofür es war. Also musste derjenige, der es hatte, selbst wissen, was er brauchte und das war dann schon merkwürdig.
Sicher, man könnte das Buch auch verkaufen, aber dafür gab es gerade am nahen Marktplatz sehr viel bessere, schneller zu bekommende und vor allem auch leichter zu verkaufendere Beute. Die Kinder und Jugendlichen des Dorfes waren allesamt kleine Taschendiebe geworden, seit eine kleine durchreisende Gruppe durch das Dorf gezogen war. Finja hatte sie Gypsis genannt, Hedera war sich nicht sicher, ob das der tatsächliche Name der Gruppe war oder nur eine Beleidigung für solche Leute, aber sie hatten geklaut wie die Raben und nicht alles hatten die Feuerkrähen wiederbeschaffen können. Aber seit dieser Zeit lagen die Kinder und Jugendlichen in einem konstanten Wettstreit über den besten Dieb des Dorfes, für sie war es nur ein neues Spiel und ein interessantes noch dazu. Die Erwachsenen, nun sie waren nicht so glücklich über diesen Umstand, konnten aber auch nicht allzu viel dagegen ausrichten, also hatte man einfache Regeln festgelegt: Die Beute die gemacht wurde, musste zurückgegeben werden und wenn jemand Außerhalb vom Dorf etwas stahl, war dieser sofort entweder zurück zu bestehlen, was nicht nett aber legitim war, oder aber direkt zu melden und aufzuhalten.
Und so ging das Diebesspiel der Kinder: Jeder versuchte bis zur Mittagsglocke soviel zu stehlen wie in seine Taschen passte, zum Schlag der Glocke wurde alles gezeigt was man bekommen hatte und je nach Wert bekam das Kind punkte für seine Beute, die nach dem Punktezählen zurückgebracht werden musste, natürlich ohne Schäden, denn sonst setzte es mehr als nur eine Portion Prügel.
Dasselbe Spiel gab es auch Nachmittags bis Abends nochmal, also wäre es möglich, dass das Buch zur Abendglocke zurückgebracht wurde. Dennoch war die alte Heilerin untröstlich über ihren Verlust. Hedera, abgelenkt von dem Schluchten der Dame, sah sich noch eine Weile in den Zimmern um, aber es ergab für sie nicht viel Sinn, dass eines der Kinder das Buch gestohlen hatte. Eine der Spielregeln war ja eigentlich, dass man nicht entdeckt werden darf, aber das war ja das genaue Gegenteil, nur der Dieb fehlte.
Hedera lief die Damen alleine, helfen konnte sie beim Trösten nicht wirklich, es machte sie nur nervös und unsicher, aber vielleicht konnte sie die anderen Kids fragen, es gab immer einen, der mit seinem neuesten Fang am Prahlen war, oder vielleicht hatten sie etwas gesehen. Einer der älteren Jungs war auf seiner normalen Position, er war neben Hedera einer der besten Langfinger, mischte aber nur noch selten als Spieler mit, sondern verbrachte oft Tage einfach nur mit dem Beobachten. Das lag sicher auch daran das man ihm für jeden Dieb den er meldete ein Silberstück gab, oder auch mal eine freie Mahlzeit. Natürlich nur wenn der Dieb, auch tatsächlich gestohlen hatte.
Der Junge hatte einen guten moralischen Kompass, so hatte August das mal genannt. Daher ging Hedera direkt zu ihm, um ihn zu fragen, ob er etwas gesehen hatte und tatsächlich hatte er einen der Hunde gesehen, der aus der Heilerstube gekommen war.
Ein Hund? Sie war sich nicht sicher, ob das die Bezeichnung für einen Mann, einen Jungen oder ein Tier gewesen war, aber irgendwas sagte ihr: Es war kein Tier gemeint. Sie ließ sich von ihm den Weg bedeuten und war unterwegs.
Etwas am hinteren Ende des Dorfes, bei der Werkstatt in einer kleinen Hütte, hatte er gesagt, also schlich sie langsam dorthin, aber die Hütte, kaum als Haus zu bezeichnen, schien eher leer als bewohnt. Nach einigem Hin und Her war sie sicher, dass es eine Lagerhütte war, kein echter Wohnort. Aber es kam leichte Wärme von innen, so schlich sie näher. Es gab hier tatsächlich einige Pfotenabdrücke von einem Hund. Sicher kein Wolf so nah am Dorf und auch viel kleiner als ihre Hände. So hatte der Örtliche Jäger den Unterschied für die Kinder erklärt: ist es so groß oder größer als eure Hände: WOLF, ist es kleiner, ist es ein Hund. Ferner konnten die wenigsten Kinder das unterscheiden.[Bild: ihlmVMKkyzA0Gqoh5nm5i4H1ciwEKUjHLCWPOyEb...5P7wAv3UzA]
Sie lugte durch ein Fenster, da hatte sich jemand eingerichtet, auf einem kleinen Strohbett lag auch jemand. Eine junge Frau schien zu schlafen, mehr konnte Hedera nicht erkennen, dann schreckte sie zurück. Die Frau auf ihrem Strohbett sah sie direkt an. Hedera schreckte zurück vom Fenster und überlegte, was jetzt zu tun war. Sollte sie zu Finja laufen und ihr alles erzählen?
Nein, die wäre sicher wütend das sie hier am stromern war statt beim aufräumen zu helfen. Also sah sich Hedera lieber um die Hütte herum um was sie so fand, aber viel war es nicht. Aber etwas Glück half ihr weiter: Ein Junge und sein Hund kamen um eine Ecke mit zerschlissenen Beutel der kaum noch seinen Inhalt halten konnte. Kräuter wie es schien. Hedera blinzelte etwas verwirrt und legte sich auf die Lauer. Er ging in der Haus und fing an sich zu unterhalten, auch der Hund folgte ihm Treuseelig und schien keine Notiz von Hedera zu nehmen. Was Hedera verstanden hatte war: Die Frau auf der Lagerstätte und er waren eigentlich aus einem anderen Dorf und hier gewesen um Felle und Kräuter aus dem Süden zu verkaufen, aber sie hatten nicht mit dem schlechten Wetter gerechnet, so hatten sie nur wenige Felle zum verkauf und die Kräuter waren auf dem Weg durch die lange anhaltenden Regenschauer verschimmelt. Als sie endlich in Fichtenhall ankamen hatten sie kaum noch eine Gulde und keine Felle mehr, dennoch wurde seine Mutter krank. Sie verstand ein bisschen was von Heilkunde und wollte eigentlich das er ihr direkt einige Kräuter holte für Tee und Kräutersuppe, aber statt zu bezahlen und die Kräuter von den lokalen Heilern zu kaufen, hatte er sich entschieden das Buch für die Rezepte „zu borgen“ wie er es nannte.
Jetzt war Hedera noch verwirrter als vorher, woher wusste er eigentlich von dem Buch? Und warum hat er nicht einfach danach gefragt, wenn es seiner Mutter doch schlecht ging? Finja hätte sicher auch geholfen, wenn sie davon gewusst hätte. .
Daher ging sie auch zurück zur Heilerstube, um eben jenen davon zu erzählen, was sie herausgefunden hatte. Finja war ebenso betrübt über die Umstände wie Hedera. Würde man den Dieb entlarven, gab es sicher ein schlechtes Bild auf ihn und seine Mutter, vielleicht sogar ernste Konsequenzen, aber Hedera hatte einen Einfall: Sicher brauchte der Junge nicht lange um alles herzustellen und wenn sie das Buch bis zum Abend wieder besorgen konnte dann könnte sie der alten Heilerin erzählen das es fälschlicherweise als Beute für das Diebesspiel gehalten wurde. Dann wären Junge und Mutter aus dem Schneider.
Finja gefiel die Idee nicht so ganz, aber es war eine gute Idee, also dass Hedera den Rest des Tages auf das Buch aufpassen würde, bis es zurück bei seiner Besitzerin war. Wenn das nicht der Fall sein sollte, kann man immer noch die Wachen einweihen.
Gesagt, getan, machte sich Hedera zurück zu der Hütte, um den Jungen und seine Mutter zu „beschatten", das Wort hatte Finja benutzt. Aber sie flog sofort auf, sie war recht stark im Vergleich zu den anderen Mädchen, aber der Junge war besser im Kabbeln als sie, als er mit fliegenden Fäusten auf sie losging. Etliche blaue Flecken, auf beiden Seiten, später konnte man sich endlich richtig unterhalten. Der Junge hatte das Buch nur ausleihen gewollt, aber man hatte ihm gesagt in Fichtenhall müsse man für alles bezahlen, selbst für die Luft wenn man nicht aufpassen würde, daher hatte er nicht geglaubt, das er das buch oder auch nur ein Rezept umsonst bekommen konnte. So kam sein Plan mit dem vorübergehenden Diebstahl. Hedera war ein bisschen entsetzt über die dreiste Anschuldigung, konnte ihn aber auch verstehen, also berichtete sie ihm von dem Plan, den sie hatte. Schnell war der Junge dafür zu gewinnen, genau genommen bekam sie das Buch auch direkt wieder, um es zurückzubringen, bis auf einen kleinen Harzflecken auf dem Ledereinband war das Buch in demselben Zustand wie vor seiner Entführung. Also hatte auch Hedera nichts zu beanstanden, gab dem Jungen aber den Rat, das nächste mal erst zu Fragen ehe er auf irgendwelche Gerüchte hören sollte und was die Krankheit seiner Mutter anginge, so solle er einfach mal zu Heilstube gehen und die Sachlage erklären, hier gab es keine Monster und das schien einfach nur eine nicht einfache Grippe zu sein, da gab es eh nicht viel was man mit Medikamenten und Salben machen konnte, aber das war auch nicht nötig. Daher war sie sich sicher, dass die Heilerinnen gerne helfen würden. Sicher könnte man auch über eine Bezahlung, sollte etwas anfallen, reden. Wenn seine Mutter doch selbst Heilerin war, dann könnte sie sicher mit einem neuen Rezept aushelfen, oder vielleicht gezielter Kräuter in den Norden bringen. Das würde allen sehr viel mehr helfen als ein Dieb, oder ein-zwei Gulden.
Und so geschah es dann auch: Hedera brachte den Jungen, der von seinem Hund stets verfolgt wurde zu Finja und der alten Dame, erklärte alles und schnell hatte man sich auf eine exklusive Handelsroute verständigt. Gerade die WIDERLICHE! Reinigungsmittel, die sie jedes Jahr herstellten, waren interessanterweise sehr gut angekommen bei der kranken Dame die daraufhin für 2 Wochen in die Heilerstube auf einer Liege einquartiert wurde. Dort konnte man ihren Krankheitsverlauf besser beobachten und nach einigen Hühnersuppen, ging es ihr auch schon deutlich besser.
Hedera, zufrieden mit sich und der Welt kehrte zurück an ihre Aufgaben. Ihre Laune hielt allerdings nicht lange, denn es bedeute, das sie schon wieder Kastanien und Walnüsse sammeln musste und wieder für Tage in dem schrecklichen Gestank der Reinigungsmittel stehen würde, da diese fast 4 Tage lang vor sich hin kochen mussten, ehe sie in ein kleines Fass abgegossen werden konnten. Ihgitt.[Bild: Fidy9k89LDoSJFsn3ODDHXcDxrSnQKXctLnzv3NT...tTCszjGzEA]
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#5
Winter. Erstes Jahr.


Die ersten Schneeflocken fielen und das würde bedeuten: Es wurde noch viel kälter. Hedera mochte den Winter nicht so sehr. Es war kalt und sie hatte immer das Gefühl als wenn alles Leben nur auf den Frühling wartete, das war sehr unangenehm. Die Eichhörnchen waren nicht mehr am spielen und emsigen Nüsse sammeln, selbst Hasen und Rehe schienen alle wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Nur das ein oder andere Wildschwein rannte wie vom Blitz getroffen durch den Wald. Hedera sah kummervoll aus dem Fenster.
Selbst jetzt im Winter bestand die alte Dame auf das Putzen der gesamten Heilerstube, Hedera seufzte, sie würde lieber nach dem Wald sehen oder nach Arti. Jeden Tag dieses Geputze war langweilig, immerhin war es warm, aber dennoch. Jeden Morgen, noch vor dem Frühstück war es ihre Aufgabe die Heilerstube zu putzen und alles für den Tag bereit zu machen. Wie konnte eine einzelne Dame nur so pingelig sein das sie wirklich JEDEN Tag geputzt brauchte? Das Putzmittel roch nussig, herb und daher roch es am Ende eines Tages immer nach Nüssen und Tee, also irgendwie angenehm. Wenn es das putzen nur auch wäre. Die Dame des Hauses war eine Pedantin wie Finja abends nicht müde wurde zu erklären, selbst diese litt manchmal unter dieser Art. Dennoch bei all dem Fluchen, all dem Frust und all der Verzweiflung sprach es sehr für den Erfolg der Heilstube. Sie waren sehr Erfolgreich mit den Behandlungen von vielen verschiedenen Dingen, nur das was die alte „verflucht von Trollen!“ nannte, dagegen gab es nichts. Das waren Ausbeulungen der Haut an diversen Stellen. Es war dieser Winter als Hedera über einen geheimen Koffer hinter einigen Fliesen fand.
Er war randvoll mit Giften, sehr sehr potenten Giften, die sehr viele hätte schwer schädigen können, das war wohl auch der Grund warum Hedera kein Wort über ihren Fund verlor und das Versteck wieder befüllte und verschloss. Sogar ihr, die doch sehr merkwürdig war in ihrer moralen Ausrichtung, war es unangenehm in der Nähe von so heftigen Giften zu sein. Aber es weckte ihre Neugier, warum diese überhaupt in der Heilerstube vorhanden waren. Endlich war sie fertig mit dem ganzen Gewische und Getrockne in der Stube. Nur noch die Handtücher zum trocknen hängen. Sie ging in den trockenen Schuppen der als Lager und Trockenschuppen diente, hing die Tücher auf ihr Seil und drehte die Nüssen damit sie gleichmäßig belüftet wurden.
Wieder raus ging sie los um sich ein Abenteuer zu suchen ehe die alte Dame oder Finja sie in die Finger bekamen, das würde nur wieder mit irgendwelchen Hausarbeiten enden, also wollte sie sich Arti schnappen und mit ihm raus gehen, dann guckte sie auf den schlafenden Klotz in der Wohnstube. Richtig... Winterschlaf. Finja hatte ihr davon erzählt. Aber es bedeutete auch, dass sie alleine war, bis auf weiteres. Die Kids aus dem Dorf hatten keine allzu gute Meinung von Hedera, nichts Ungewöhnliches, aber sie neckten sie auch nicht, man hatte so etwas wie einen Waffenstillstand. Hedera war größer und stärker als die meisten anderen Kinder, auch die Jungs hatten es da schon schwer. Sie kickte ein Steinchen über den Marktplatz, ehe ihr etwas einfiel, als eine Schneeflocke auf ihrer Nase landete und schmolz. Sicher war bald das Winterfest, ... vielleicht könnte sie etwas für Finja machen? Und so hatte sie ein Winterprojekt. Nach ihrem Bau sah sie zwar an Sonnentagen, aber sie blieb nicht dort, dafür war es viel zu kalt für sie, also hatte sie jeden Tag Zeit, um für Finja ein Geschenk zu basteln. Erst einmal musste sie sich etwas überlegen, dann das Material austüfteln und dann musste sie sich auch noch überlegen, wie sie an genug Münzen für das Material oder gar einen Lehrer kommen sollte... Das WAS war schnell geklärt, als sich Finja eines Abends mit Hedera an der Feuerstelle im Haus unterhalten hatte.
Jetzt fehlte noch das Material, nach langem hin und her kam sie zu dem Schluss das sie nicht genug Geld verdienen konnte für ein edles Metall, also musste es wohl Holz sein.
Aber sie könnte unter Umständen mehr Geld verdienen als sie für Holz und deswegen Werkzeuge brauchte, also könnte sie das übrige Geld in einen besseren Lehrer investieren. Eine Woche dauerte es bis sie einen Jäger gefunden hatte der bereit war ihr zu helfen gegen etwas Hilfe an den Nachmittagen beim Häuten und Verarbeiten des Fleisches. Keine großen Aufgaben, aber die zusätzlichen Hände, die ihm einfach nur sauberes Werkzeug anreichen, oder mal etwas für ihn festhielt, waren ihm willkommen, ebenso ein paar Arme, die etwas tragen und kneten konnten. Wenn sie damit fertig war zeigte er ihr wie man kleine Figuren schnitzte und genau das wollte sie lernen. Sie war anfangs nicht sehr gut und hatte sie einige Male in die Finger geschnitten oder das Stöckchen so hart behandelt, dass es ihr in den Fingern einfach wegbrach.
Doch am Ende der 3ten Woche war sie immerhin soweit, das sie sich nicht mehr verletzte und auch ihr Werkstück nicht mehr kaputtging.
Jeden Tag war es das selbe Prozedere: Morgens drehte sie die Nüsse im Lager (mehr ein schnelles Durchrütteln der Kisten), Nahm die Putztücher wenn diese Trocken waren von der Leine und legte sie in der Stube auf den Haufen zu den anderen, machte das Putzwasser heiß, aß währenddessen, putze einmal durch, hängte die Lappen auf, ging zum Jäger, half diesem mit allem wofür er Hilfe gebrauchen konnte und sei es auch an manchen Tagen nur mit ihm auf die Jagd zu gehen um mehr Beute zurück zu schaffen, danach bekam sie meist eine Suppe aus Fleischresten oder Knochen von dem Jäger, half wieder und wenn es dunkel wurde dann saß sie mit ihm vor seiner Feuerstelle und übte das Schnitzen von Holz.[Bild: PV6UQzv1_IRpUm_J6u41E03Oxf9OJw0V_A10lMcG...gKo1fLJYxA]
Er schrieb ihr auch ein Rezept auf, bei dem sie sich eigentlich sicher war, dass es im Buch der Heilerdame war: ein guter, zäher Kleber aus Knochen und Baumharz, sollte ihr Werkstück doch wieder zerbrechen.
Sie stopfte das Rezept in ihre ausgetragenen Hosen und bedankte sich bei dem Mann, den die meisten nur Steinbeiß nannten, was wohl der Name seiner Familie war. weitere 3 Wochen später hatte Hedera was sie wollte: eine Möglichkeit das zu machen was sie tun wollte. Zumindest was das Geschenk anging.
So verabschiedete sie sich von dem Jäger, der ihr zum Abschied und danke für die Hilfe, die sie mit einigen schöne Knochen mitgab, die sie an Finja weitergab. Es gab endlich wieder etwas mit zumindest Fleischgeschmack, das freute alle im Haus und sicher auch Arti wenn dieser irgendwann aus seinem Winterschlaf aufwachen würde, denn Hedera hatte alle Knochen seit er sich hin gerollt hatte eingesammelt und zum trocknen auf ein Seil gehängt. Vielleicht würde es ihm ja gefallen, ein paar getrocknete Knochen zum Knuspern zu finden, wenn er wieder wach wurde.
Nur eine besonders schöne Rehschulter hatte sie behalten, sie hatte diese lange und sehr vorsichtig bearbeitet, nochmal 3 Wochen um genau zu sein, es war wirklich nicht mehr Zeit, dennoch war sie recht zufrieden mit ihrer Arbeit die sie vorsichtig in ein Tuch einschlug und mit einen dünnen Seil aus Stroh und Garn zu band. Sie hatte noch die Winterfeste bei ihren Eltern in Erinnerung und dort gab es einen schönen kleinen Brauch, den sie übernommen hatte: Die Geschenke zum Fest versteckte man um Haus und so hatte man auch noch den Spaß daran, es zu suchen und konnte auch nicht direkt erkennen, was es war.
Am Winterfesttag hatten sie sich mit der alten Heilerin zusammen beschaulich Eingerichtet und feierten zusammen das Fest. Hedera bekam eine neue Jacke aus etwas grobem Wildschweinleder, die Heilerin bekam von Hedera das aufgeschriebene Rezept über den starken Kleber, und von Finja bekam sie eine neue Decke für ihr Bett aus weicher Wolle.
Aber ihre Pflegemutter hatte schon Tränen in den Augen, als sie ihre Kopie der gängigsten Rezepte aus dem Buch in einem eigenen bekam, jetzt konnte sie selbst ein Rezeptbuch anlegen mit ihren eigenen Rezepten und wichtigsten Heilmitteln. Ihr Geschenk fand sie über der Feuerstelle, dicht unter der Decke an einem Faden befestigt. Natürlich gab es dafür dann auch wieder eine leichte Schelte: Sie sollte doch nicht so in der Bude herumturnen! Aber das war schnell vorbei als Finja das Geschenk öffnete: Es waren 3 Figuren, ein kleiner Bär, und zwei Frauen (nur an den langen Röcken zu erkennen) in verschiedenen Größen, aber vor allem: eine „Sternflocke“, Halb Stern, Halb Schneeflocke und alle hinten untereinander an einem Ast den man in das Fenster hängen konnte. Eine kleine Familie unter einem Stern. Zugegeben, sie hatte auch etwas Mecker bekommen, das sie den Stern aus dem Schulterblatt des Rehs geschnitzt hatte und gerade Finja, bei allem was Knochen und Hedera anging, etwas zurückhaltend und eher unbegeistert war. Aber Finja war dennoch scheinbar einfach nur glücklich und das, was sie erreichen wollte, einfach nur richtig danke sagen.[Bild: H8K_NuB6bg85c8SfFdbRBVOm6Wl6RCMye9_ZPdCa...FTR6ePnQ1Q]
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#6
Frühling. Jahr Zwei.


Das Laub des letzten Jahres knisterte zart und kleine Ästchen brachen unter ihren Füßen. Schwer von Feuchtigkeit hing ein Nebel in den Bäumen und lies keine weiten Blicke zu, Jäger hatten es heute schwer. Der Schnee war endlich geschmolzen und seit ein paar Tagen wärmte die Sonne den Boden und brachte etwas Trockenheit zurück, aber noch gab es morgendliche Nebeln, ehe er dem Sonnenschein weichen musste. Es war noch kurz vor der Dämmerung und der Nebel dämpfte jedes Geräusch, das durch den Wald drang. Weiter den Waldweg entlang führte sie der Weg weiter nach Westen, dort wo die Dunstdrachen tanzten und die Irrlichter knisternd kicherten. Einen verlassenen Hasenbau und 5 Mose weiter fand sie einige Pilze und Farne, die sich nach der kommenden Wärme sehnten. Hedera atmete die schwere Morgenluft genüsslich ein, es dauerte noch bis es hell wurde. Sie griff auf ihren Rücken zu dem Rucksack, den sie von der alten Heilerin geliehen hatte, und sammelte die Pilze und Moose und Farne ein, die sie kannte. Sie hatten eine Vereinbarung getroffen, die allen zugute kam: Hedera konnte inzwischen jeden Morgen in den Wald spazieren gehen, solange sie nützliches Mitnahm was sie fand. Im Frühling gab es noch nicht so viel, was sich lohne, der Schnee war erst geschmolzen und es würde noch eine Woche oder länger dauern, ehe die ersten Pflanzen wieder gen Sonne streckten.
Zudem hatte Hedera von den Jägern gelernt, stets nur so viel zu nehmen, wie sie konnte, ohne den Bestand zu gefährden. Wenn ein Pilz alleine stand, so ließ sie ihn stehen, auch die sehr jungen und sehr Alten ließ sie an Ort und Stelle. Ebenso mit den Moosen, sie nahm große Patches mit, aber immer etwas über die Hälfte am Ort. Für sie war es das einzig richtige, denn sie wollte irgendwann wieder an diese Orte kommen und Nützliches finden.
Sie ging noch bis die Sonne durch den Nebel blitzte, dann machte sie sich auf den Rückweg, wie üblich nicht auf dem direkten Weg sondern meistens mit einem Umweg durch den Wald. Viel hatte sie nicht in ihrem Rucksack, 2 Frühlingspilze und etwas Farn und ein besonders hübschen kräftigen Hühnerbaumpilz. Nichts für die Heilerin, aber Finja würde sich freuen, dass diese Pilze schmecken, wenn man sie säuberte und Kleinschnitt wie Hühnchen. Also war ihr Ausflug schon okay, auf dem Rückweg fand sie noch ein paar frische Wildscheinfährten und eine völlig zerwühlte Stelle, mit etwas Hoffnung schnallte sie sich einen Ast und durchfurchte das Gebiet, ein paar winzige feste Brocken nahm sie mit, vielleicht waren ein Paar dieser Erdpilze darin um die sich neuerdings im Dort alle stritten.[Bild: iO6tlblgnV15m0W5v6J3HssTUJy3MyE8UwyYiV4R...sPnOBbW7wA]
Die alten Heilerin würde wissen was man damit zu machen hatte, also nahm sie mit so viel wie sie tragen konnte, viele waren es nicht, aber Hedera war sich zumindest sicher das es keine Steine oder Kot war, aber sie konnte verrottendes Holz nicht von den Pilzen unterscheiden, manchmal waren es auch Lehmklumpen, aber die Heilerin hatte ihr streng eingebläut dass man diese Pilze unter keinen Umständen waschen durfte, also konnte Hedera beim besten Willen nicht erkennen wie sie diese Dinge unterscheiden sollte. Mitnehmen und prüfen lassen, war also die bessere Wahl gewesen.
Langsam kam sie an eine Schlaufe eines Bachlaufs, diese kannte sie schon, dort hatte der eine Fischer im Dorf seine Reusen ausgeworfen.
„Guten Morgen, Mister Frankino!“ rief sie ihm zu. Er hob müde die Hand und ging zu seiner Reuse um nach dem Inhalt zu sehen, da er die Krebse und Krabben nie wollte, war Hedera gerne bereit sie ihm abzunehmen.
„Die fressen nur Abfall! Das kann nicht gut sein!“, hatte er immer gesagt. Sie aber mochte den Geschmack gerne und auch Arti mochte diesen Snack sehr gerne. Der Fischer war immer froh, wenn er diese Tiere los war, aus Angst sie könnten bei Hunger auch die Fische fressen. Kein sehr kluger Mann, aber er war zu Mensch wie Tier, immer sehr freundlich und hatte ein sehr gutmütiges Gemüt bei allem was er tat. Die meisten Fischer, die Hedera kannte, ließen die Fische oft einfach an der Luft ersticken, er dagegen hatte ihnen immer einen so harten schnellen Schlag auf den Kopf, dass sie direkt tot waren. „Das ist doch egal, ob sie in 15 Minuten ersticken oder ich sie gleich erlöse.“, sagte er dazu. Hedera war immer wieder beeindruckt von manchen Dorfbewohnern. Wie dieser sonst so nette und freunde Mann, der von seiner Frau geradezu vergöttert wurde, so schnell und einfach töten konnte, das machte ihr etwas Gedanken. Doch sie schüttelte diesen dann alsbald wieder ab: Sie riss ja auch ohne Hemmungen Pflanzen aus oder knackte deren Früchte, im Grunde war es der selbe Mord. Aber es ging schnell und war nicht sinnlos, Wölfe jagten ja auch nur zum Fressen.
Zurück auf dem Weg winkte sie den Wachen, sie war doch inzwischen bekannt für ihr Ein- und Ausgehen, daher gab es keinen Grund mehr sich zu verstecken, auch wenn sie das von Zeit zu Zeit immer noch gerne tat. Kaum war sie am Wall vorbei roch es nach tausenden Dingen, frischem Brot das zum Auskühlen lag, Gewürze die vom Markt her wehten, ein paar Pferdeäpfel irgendwo, jemand hatte es etwas zu gut beim seifen gemeint, ein anderer hatte Seife geruchlich seit Wochen nicht gesehen. Manchmal war ihr das alles zu viel, aber irgendwie war es nun mal der Geruch ihres Dorfes. Zurück bei der Heilerstube, immer noch mit großem Bogen um die Kirche, lud sie ihre Fundstücke an der großen Spüle ab und machte sich daran, aus ihren Wanderstiefeln in ein paar Wohnstuben Schuhe zu wechseln. Die Dame wurde immer so wütend, wenn sie „den halben Wald!! Hedera!! Der HALBE!“ ins Haus trug, dabei musste sie ein bisschen in sich hinein kichern und stellte die schweren ausgetragenen Stiefel vor die Stube zum Trocknen unter den Holzverschlag.
Drinnen angekommen gingen ihre täglichen Aufgaben los: Feuer anheizen, Wasser und zum Kochen bringen, alles einmal durchwischen und sauber machen und natürlich den Patienten hallo sagen und ihre Wünsche aufnehmen. Die alte Dame war jeden Morgen in der Kirche und dann auf dem Markt, bis sie wieder zurückkam, war es meist späterer Nachmittag, aber bis dahin war alles vorbereitet für einen Tag bis in die Nacht voller Arbeit. Auf einer Tafel an der Feuerstelle schrieb Hedera alles auf was in ihrer Zeit so passiert: Wer herein gekommen war, wer etwas wollte und was und ggf. wie viel davon und was sie alles so auf ihrem üblichen Gang gefunden hatte.
Dann erst am frühen Mittag war sie wieder zuhause und konnte Arti seine Snacks bringen. Der Bär war eigentlich etwas zu früh wach, aber das lag wohl einfach daran das er es warm hatte und es ständig nach Essen gerochen hatte. Er freute sich immer über die Snacks, die Hedera ihm immer wieder mitgebracht hatte: Krebse, Fischreste, Knochen, Fettreste oder, wenn sie Glück hatte, eine schadhafte Haut. Auch das war ein Grund für Hederas morgendliche Spaziergänge: Futter für Arti.
Dieser schien manchmal dauerhaft hungrig, wenn er nicht gerade tief schlief. Sie schlug ihre Wanderstiefel aus, bis der Dreck abfiel und stellte sie zum weiteren Trocknen in die Nähe der Feuerstelle. Heute war sie daran, die neuen Salben zu kochen, also ging sie wieder zurück zur Heilerstube, wo Finja gerade eine neue Salbe versuchte, gegen den Ausschlag, der das Dorf nun schon so lange quälte. Es starb zwar niemand daran, aber angenehm war es nicht.
Heute kochten sie wieder neue Mischungen auf dem Herd. Jeder im Dorf versuchte dabei mitzuhelfen, des es gab inzwischen kaum noch jemand der diese Pusteln hatte. Noch gehörte Hedera zu diesen Glücklichen, aber sie war ohnehin niemand der gerne andere berührte, oder sich berühren lies und sie öffnete Türen, insbesondere die der Heilerstube, mit den Ellenbogen. und Schloss sie mit einem vorsichtigen Tritt. Am Anfang war sie da noch Anfang gewesen aber seid einer der Wachen sich erst herzhaft in die Hand geschnäuzt und dann die Türe einfach sorgenfrei geöffnet hatte, war es ihr sehr eklig diese Türe irgendwie anders zu öffnen. Natürlich wurden die Griffe der Tür jeden Tag von ihr gesäubert, aber allein der Gedanke, je wieder in einen so vollgespritzten Türgriff zu fassen, ließ ihr kalte Schauer über den Rücken laufen.
Die Heilerin hatte ein auffälliges Tuch, das sie dafür genutzte und Finja wusch sich eh immer direkt die Hände, wenn sie in die Heilerstube ging, oder generell in irgendein Haus.[Bild: dW6S6lqN6yJnS3hCYHzWGQHsy3jdkTcFoMQWvfWd...ONkS0e5yUQ]
Sicher werden die Tage jetzt, wo es wieder wärmer wurde, wieder aufregender, aber manchmal war sie auch froh, wenn ein Tag einfach nur friedlich ablief und sie nichts hatte, was sie störte oder aufrüttelte.
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#7
Sommer. Zweites Jahr.


„Ich geh mit Arti raus!“, rief sie noch als Finja gerade dabei war die Wäsche aufzuhängen als Hedera sich Arti schnappte und mit ihm rausging und so schnell sie konnte mit ihm aus dem Dorf war. Eigentlich wollte Finja, dass sie immer jemanden mitnahm, wenn sie mit Arti rausging. Aber sie war mal wieder entkommen, wenn auch nicht für lange denn schon bald traf sie auf Augustus, der mit ihr im Wald blieb. „Ich muss doch auch mal raus!“, hatte er gemeint. Hedera glaubte das eigentlich keine Sekunde lang, aber sie hatte nicht widersprochen, oder versucht ihn weg zu scheuchen. Aber es war ein angenehmer Spaziergang quer durch den Wald. Am Fluss hatte sich Arti noch mit Fischen und Krebsen satt gefressen. Augustus und Hedera hatte sich in der Zeit unterhalten über die Entwicklungen im Dorf und über ihr Versteck, da der nette Kerl, den Hedera ins Herz geschlossen hatte, erwähnt hatte: die Höhle sei von einigen Jägern wieder gefunden worden und sie hatten schon befürchtet das dort Diebe oder schlimmeres Hausen würde. Nach kurzer Aufklärung war er beruhigt und neckte sie noch eine ganze Weile, damit sie doch endlich mal im Dorf leben sollte.
Als Arti satt war und wieder zurück wollte, ging er auch schon auf den Heimweg. Alles war friedlich und man hatte sich wirklich gut unterhalten, gewitzt und und gelacht und auch Arti schien guter Laune und lief friedlich neben den Beiden her. Bis auf halber Strecke bis Fichtenhall, da hatte er doch nochmal seine dollen 5 Minuten und riss Hedera mit in einen Bach, wo er begeistert einen Frosch jagte, während Hedera verdutzt aus der Wäsche guckte. Sie war von Kopf bis Fuß Schlamm bedeckt, mit einer breiten Moosflechte auf dem Kopf, was so ulkig ausgesehen haben musste, dass Augustus Mühe hatte, auf den Beinen stehen zu bleiben vor lauter Lachen. Sein lautes Baritonlachen war sicher bis zum Dorf hörbar. Einige Minuten später hatte sich Hedera wieder gefangen, sich den schlimmsten Schlamm und Dreck abgewischt, als Arti neugierig zurück trabte was so lustig war und versuchte Hedera noch etwas zu helfen beim sauber machen, was dazu führe dass Hedera jetzt nicht nur dreckig von Schlamm und Erde war, sondern auch noch Fellig vor lauter Fell des Bären.
Augustus musste sich wirklich zusammenreißen unter ihrem bösen Funkeln nicht wieder in Lachen auszubrechen. Arti kraulte und flauschte sie ordentlich, er hatte wirklich nur helfen wollen, aber mit Augustus war sie ein bisschen grummelig, wegen dem lauten Lachen, auch wenn er ihr aus dem Schlammloch geholfen hatte. Ihr Limit an Gelächter über sie war voll.[Bild: GFl98yqDxxPCKUkwAH5Y0VZIDhZdkNGK02aomOd8...mlJel7_7Mg]
Aber der Mann riss sich, mit Tränen der Zurückhaltung in den Augen, zusammen, so das es nur ein dumpfes Glucksen war. Zurück im Dorf ging Hedera wieder zum Stall, dort an der Pferde-Wasch-Station putzte sie erstmals Arti gründlich ab, wobei sie noch mehr Fell dabei abbekam und noch mehr Wasser. Ein Glück, dass es Sommer und schön warm war. Arti sah danach aus wie frisch aus dem Ei gepellt: Sein Fell glänzte und schimmerte sauber, auch das breite Halsband war wieder sauber. Ein Halsband, das ihm der örtliche Kürschner eigens angefertigt hatte, war leuchtend grün, damit jeder Jäger sofort erkennen konnte, dass Arti nicht aus Versehen geschossen wurde. Arti trotte alleine nach Hause, es war nicht weit und er war ohnehin erschöpfter und satt gefressen, das Prozedere gefiel Finja zwar normalerweise nicht, aber dieses Mal machte sie eine Ausnahme, als sie Hedera eine weile Später nur zwischen Tür und Angel trag, als diese sich ein paar frische Kleider schnappte und direkt mit dem Badekörbchen weg war. Selbst nach ihrem Versuch, sich zu säubern, musste auch Finja sich zusammenreißen, nicht wegen der „Roten Strähnen“ in den Haaren von Hedera, laut los zu lachen. Das, oder sie hatte noch eine Stelle in ihrem Gesicht oder irgendwo sonst vergessen.
Hedera schnaufte und ging in das Badehaus, lies die paar Kupferlinge da damit sie zumindest in die Waschräume kam, ein ganzes Bad brauchte sie vielleicht nicht, aber selbst der Bademeister musste so laut lachen das er zwar die Kupfermünzen nahm aber sie direkt an das Bad verwies, sie würde schon wissen warum.
Als sie dann im Waschraum ihre Kleider auszog und in den Spiegel guckte wurde ihr klar warum alle so lachen mussten: Zwei ihrer Zöpfe standen hoch wie ein paar komischer Ohren und ein paar Zweige, fast wie ein Geweih, hielten die Zöpfe an Ort und stelle. ... Zusammen mit dem Fell von Arti musste sie aussehen wie ein kaputter Hirsch. Selbst Hedera musste jetzt lachen, als sie ihre Zöpfe wieder löste, die Äste, Blätter und Moos herausputzen. Vor einem Spiegel war das sehr viel einfacher als nur nach Gefühl, danach öffnete sie ihre Zöpfe, wusch sich wieder richtig sauber, trocknete sich ab, zog die frischen Kleider an, flechtet ihre nassen Haare wieder zusammen, packte sie in ein Handtuch damit ihre Schultern bis sie zuhause war, nicht wieder Nass wurden. Die dreckigen Kleider nahm sie freilich wieder mit nach Hause. Dort kicherte Finja immer noch ein bisschen, als sie einen Eintopf aus Sommergemüse, normalerweise würde sie auch Pilze hineingeben, aber aus Mitleid vor der Gebeutelten ließ sie diese raus. Hedera sammelte gerne Pilze, aber wenn sie den Geschmack vermeiden konnte, vermied sie ihn auch. Pilze waren nicht so ihr Geschmack, außer weniger Ausnahmen.
Hedera legte ihre dreckigen Kleider erstmal zum Trocknen an die Feuerstelle, dann konnte man den groben Dreck später abschütteln. Sie selbst setzte sich zum Trocknen auf einem Stuhl dazu, aß noch ihren Eintopf, ehe sie etwas früh zu Bett ging, eigentlich nur um sich kurz auszuruhen, aber sie wachte nicht mehr rechtzeitig auf und auch Finja ließ sie erst mal schlafen. Es war früher Abend, als sie wieder wach wurde und erschrocken hochfuhr. Es war schon so spät! Sie sprang in ihre Schuhe und wollte schnell in die Heilerstube, um ihre Arbeiten zu erledigen, die sie ja noch hatte. Aber Finja hatte alles schon erledigt und sie deswegen einfach schlafen lassen.
Hedera hatte ein schlechtes Gewissen, aber ihr wurde nur abgewunken, sie hatte heute doch sicher mehr als genug Aufregung und sicher etwas „bessere“ zu tun als den ganzen Tag bei den Damen in der Heilerstube zu hocken. Immerhin gab es kaum Patienten in dieser Zeit des Jahres, es war heiß und die meisten Leuten waren schnell behandelt. Hitzschläge gab es hier kaum, auch Sonnenbrände und Ähnliches war eher selten, oft waren es nur Insektenstiche, Schlangenbisse und Ähnliches. Diese waren schnell behandelt mit Salbe und/oder Jod. Es gab an den Wassern um Fichtenhall kaum wirklich giftige Schlangen, oft wurden die Bissstellen einfach nur taub für einige Stunden und danach war nichts mehr. Also wusch mal die Wunden, desinfizierte diese und gab ein sauberes Tuch drauf, damit nicht direkt wieder Dreck hinein kam. Bei den Stichen hatte die ältere Dame mit Finja zusammen eine gute Salbe gegen den Juckreiz gefunden, aber noch keine Heilung gegen die Pusteln, nur eine Salbe, die den Juckreiz milderte. Sie betäubte die Haut leicht, eine willkommene aber teure Abwechslung.
Hedera schnaufte ein bisschen, ging wieder nach Hause, um sich bei Arti einzukuscheln in sein Fell, um wieder Lesen zu üben: Mit alten Büchern von Finja und der alten Heilerin las sie Arti einfach etwas vor. Zwar verstand der Bär kaum ein Wort von den Texten, aber Hedera übte so Vorlesen, lernte die Texte und das Lesen selbst, während der Bär neugierig zuhörte und sie anguckte.[Bild: HXMaFC5JY4y8JoHwk7eUGx3W8VlYOdJ6VIaLrBdL...iz2fFDrnGA]
Als Finja wieder nach Hause kam, hatte Hedera noch etwas gegessen, die Schale in die Spülschüssel gestellt und war, eingekuschelt in Artis Fell eingeschlafen, mit dem Buch auf dem Schoß. Finja schmunzelte und nahm Arti, der nicht so begeistert war, Hedera aus dem Fell und legte diese auf ihr Bett. Erst hatte sie sich nicht viel dabei gedacht, dass Hedera recht warm war, immerhin hatte sie bei Arti gelegen und dieser war schnell warm. Am nächsten Morgen wurde Hedera leise stöhnend wach: Alles tat ihr weh, auf ihrem Kopf war ein warmes nasses Tuch und auch an ihren Beinen waren Tücher. Sie musste die Nacht über gefiebert haben, denn Finja war noch im Haus und gerade dabei, die Tücher an ihren Beinen zu wechseln. Die Kühle ließ Hedera etwas weg schrecken und sich um zugucken.
Sie hatte sich gestern etwas eingefangen und die Nacht über hatte sie gefiebert, so dass Finja Angst gehabt hatte und sie die halbe Nacht versorgt hatte, damit sie nicht überhitzte. Hedera schnaufte, entschuldigte sich dafür, dass sie eine Last war und Umstände machte, aber die Heilerin winkte ab und brachte ihr etwas zu Essen. Wenn sie schon mal wach war, sollte sie essen und trinken, vielleicht auch mal nach draußen gehen für andere Dinge. Hedera aß einen leckeren Hühnereintopf, ohne Pilze, wie sie erfreut feststellte und schlief eigentlich direkt danach wieder ein.
Ihr Fieber ging schnell wieder zurück und nach nicht mal drei Tagen war sie wieder fit. Aber ihr Abenteuer hatte ihr beigebracht, dass eine Leine für Arti das falsche war. Generell waren Leinen nicht praktikabel für einen Bären. Sie nahm sich vor, Arti beizubringen, auf Kommandos zu hören, auch ohne jede Leine. Eine Leine hatte sie zwar immer über ihren Schultern, aber eigentlich nur noch für die anderen Dorfbewohner, nicht mehr für ihre „Gassi-runden“, wenn sie weit genug weg vom Dorf war, löste sie diese und dann ging das Training los.
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#8
Herbst. Zweites Jahr.

Hedera war glücklich. Sie war sich nicht mal sicher warum, aber irgendwie war sie glücklich wach geworden und selbst der Horror in ihrem Nacken vermochte sie nicht davon abzubringen. Und sie hatten eigentlich alle Grund zur Sorge. Der riesige Adler der über Fichtenhall nach Norden gezogen war, die glühende Klinge denen sie entwischt waren und nicht zu vergessen diese merkwürdige Okkulte Stätte in den Steinbruch den sie untersucht hatten. Sie guckte auf die Steinplättchen, die sie ab und zu in der Hand kreisen ließ. Aber so richtig schlau wurde sie daraus nicht. Sie öffnete das Fenster zur Wohnstube wo Arti gerade an einem großen Knochen etwas lustlos kaute. Etwas frische Luft würde nicht schaden. Es hatte wieder angefangen, viel zu regnen und im ganzen Dorf gab es einen leicht pilzigen Geruch, es wurde Herbst. Nachdem das Haus wieder gut belüftet war, schloss sie die Fenster wieder, legte einen Holzscheit in die Feuerstelle und zog ihre Wanderschuhe wieder an. Ihre Aufgaben für diesen Tag hatte sie schon erledigt, jetzt konnte sie wieder raus und an ihrem Versteck weiter arbeiten.
Noch einmal Arti richtig durchgeflauscht ging sie auch schon los. Stroh, etwas Seil, eine ausgediente Axt und einige Stoffreste, alles, was sie so bekam von diversen Handwerkern. Sie hatte dafür gute Verwendung und durch ihre Hilfe bei verschiedenen Leuten schnappte sie so einiges auf. So hatte sie zum Beispiel beim Helfen einer der alten Vetteln gelernt wie man zumindest grob webte, vom Schmied wie man Werkzeug dessen Schafft gebrochen war reparierte, vom Kürschner hatte sie gelernt Seile aus Rinde zu verdrehen, vom Fischer wie man Reusen baute und damit wie man rudimentäre Körbe machte. Alles keine großen Qualitäten, aber recht praktisch, um ihre kleine Höhle Stück für Stück aufzuwerten.
Von einem Wanderer hatte sie sogar gelernt, so etwas wie Baublöcke aus Erde und Stroh zu bauen und wie man eine Feuerstelle aus dem Boden grub. Mit einem Rucksack voller Reste und Nippes ging sie wieder los zu ihrem Bau. Zumindest hörte sie ab und zu andere davon sprechen. „Hederas Bau“ hies es dann nur. Langsam war sie eine junge Frau und musste dennoch immer noch wie ein Kind darüber lächeln, wenn sie das hörte, es machte sie fröhlich und glücklich.
Keine 2h lag ihre Höhle entfernt und wie immer lag eine Karte zu ihrem Bau ja auch unter ihrem Bett in dem Haus, das sie mit Finja bewohnte. Für den Fall, dass man sie mal suchen würde. Den Weg zu ihrer Höhle würde sie immer finden.
Heute war wirklich viel im Wald los. Jäger machten reichlich Beute und die Bauern trugen reichliche Ernte ein, auch der Fischer des Dorfes machte gerade reichlich Fang, jetzt wo die Fische die Bäche und Flüsse hinauf schwammen, konnte er kaum genug Körbe füllen. Vieles wurde sogar zu Trockenfisch verarbeitet oder eingelegt.
Der Jäger aus dem Süden hatte etwas, das Hedera besonders mochte: Gefüllte Wildschweinfüße. Finja mochte das nicht so gerne „ Das ist viel zu fettig, da klebt einem ja der Gaumen zu!“, aber Hedera liebte es. Es waren die unteren Teile der Wildschweinbeine, gehäutet, das Fleisch klein geschnitten, zusammen mit Grieß, diversen Gewürzen und dem Fett aus dem Bauch gemischt und wieder zurück in die Haut und für alle die immer noch nicht genug Fett daran hatte: Es wurde in eine Tonschüssel gegeben und mit Wurst und Speckwürfeln in Fett zum versiegeln eingegossen. Technisch gesehen bestand es also zu gefühlten 90% nur aus Fett. Aber es war lecker und hielt den ganzen Winter frisch und saftig.
Hedera war immer wieder begeistert, wenn sie beim Jäger geholfen hatte und eine Scheibe davon bekommen hatte.
Oder auch die gebratene Haut. Einen Moment lang musste sie sich zusammenreißen, um nicht zu sabbern. Alle Kinder im Dorf leckten sich danach die Finger: Gekochte Haut, die dann in Fett ausgebacken wurde. Es knisterte so schön und mit etwas Gewürz, oder der Soße, die eine der Bauersfrauen kochte, war es ein himmlischer Snack für den die meisten Kids im Dorf jede noch so harte Arbeit gemacht hätten, was sie auch taten. Genauso lockten die Jäger und Bauern nämlich die Kinder zu den härteren Arbeiten. Auch Hedera war das ein oder andere Mal darauf reingefallen, aber sie war nie böse, immerhin gab es dafür diese Leckereien.
Sie schüttelte mit Not den Gedanken ab, sie bekam zu viel Hunger, als sie die ganze Zeit nur an Essen dachte. Dabei überragte Sie jetzt schon die meisten der Leute in Fichtenhall um einige Finger und fast alles Frauen um Handspannen. Finja maulte manchmal das es fast unmöglich war Hedera noch in einen Rock zu bekommen. Hedera lächelte verschmilzt: sie mochte ohnehin lieber Hosen, die waren bei ihren Wanderungen so viel praktischer und schützten sie gut vor Kälte und Verletzungen. Gerade wenn sie wieder einen Baum hochklettere.
Endlich bei ihrem Bau öffnete die die Türe, kontrollierte diese auf Schäden und reparierte diese. Ein paar Rehe oder so hatten die Rinden angefressen die ihre Höhle eigentlich gut neben den großen Wurzeln versteckten. Im inneren flohen schnell ein paar Heuschrecken hinaus. Hedera prüfte auch hier die Höhle auf Schäden, es war schon eine Woche her, seit sie zuletzt hier gewesen war. Etwas Erste war von einer Wand gebrochen, das war aber nicht schlimm. Ein alter Löchriger Eimer tat seinen Dienst als Mischeimer, um die neue Stroh- und Erdmischung zu kneten, zwar war er undicht gegen Wasser, aber zum Kneten die Mischung war er geradezu ideal. Mit einer „Kelle“ aus geflachtem Holz, brachte sie alles an den Wänden auf und ließ die Tür offen. Dasselbe machte sie an einer Kuhle, die ihr als Feuerstelle diente und sich in einer vorderen Ecke befand. Mit einem Feuerbogen und etwas Fusseln machte sie ein kleines Feuer, das würde die aufgetragene Schicht schnell trocknen. In der Zeit stopfte sie das Stroh, das sie bei den Feldern und ums Haus eingesammelt hatte, in den großen Sack, der zur Hälfte aus Löchern bestand. die Löcher hatte sie auf Anraten der Weberin, sie dachte, es ging um Hederas normales Bett, mit langen Grasfasern einfach verwebt. Das war zwar nicht Ideal, aber recht stabil und für die Strohfüllung reichte es allemal. Mit einem Besen aus einem Tannenast kehrte sie ihre Höhle aus damit nicht wieder Insekten hier ihr Zuhause nannten. Die ganzen Stoffreste schnitt und riss sie ganz vorsichtig in feine Streifen und machte daraus ein buntes Seil das sie zu einer „Gardinenstange" Innen, direkt hinter der Tür befestigte, jetzt konnte sie den Flickenteppich den sie den Sommer über genäht hatte daran aufhängen und hatte so etwas wie einen Vorhang. Der würde sie im Winter zusätzlich etwas schützen, wenn sie ihre Höhle aufsuchen wollte. Sobald ihr Feuer die Höhle getrocknet hatte machte sie sich auf den Weg etwas Essbares zu finden. Das war nicht allzu schwer, jetzt gab es überall Beeren, Nüsse, Pilze und vielleicht hatte sie am Fluss auch Glück einen Fisch zu fangen. Nach einer Weile hatte sie ihren Ruckstack gut gefüllt mit Nüssen und Beeren, die sie alle einsammeln, davon konnte man nie genug haben und in ihrer Reuse in einer steinigen Ausbuchtung hatte sie auch einige Fische. Da würde sich Finja sicher freuen! Hedera war vergnügt. Heute lief es einfach mal nur gut. Zurück in ihrer Höhle fühlte sie die Wände ab. Es würde noch ein bisschen dauern, bis sie genug Schichten aufgebracht hatte, um die ganze Höhle stabiler zu machen und wärmer zu machen, aber das würde schon werden. Jeden Tag ein bisschen weiter! Heute hatte sie nur eine Wand gemacht und die Feuerstelle, aber es würde noch einige Tage bis zum Winter dauern, bis alles fertig war. Aber dann sollte sie sogar im Winter ein paar Stunden hier ausharren können, wenn sie wollte. Vielleicht war es auch für den ein oder anderen Jäger ein kleiner Segen, diese Höhle bei schlechtem Wetter als Unterkunft zu haben.
Zurück in Fichtenhall brachte sie ihre Fische schnell rein, nahm sie aus, gab die Innereien wie immer an Arti, ebenso ein paar Nüsse und Beeren. Die Nüsse wurden geschält und zum Trocknen in einen Korb gegeben. Die Beeren wurden gewaschen, auf ein Brett und kamen ebenso zum Trocknen. Nur die Fische stopften sie mit Kräutern und einigen Resten an Beeren vom letzten Jahr. Dann klappte sie diese zwischen zwei Holzgitter, die fast dieselbe Form haben wie die Fische und legte diese über die Feuerstelle auf ein Gitter, das dort zum Braten hing. Es wurde langsam Abend und sicher kam Finja bald nach Hause. Dies würde sich vielleicht freuen, wenn es schon fertiges Essen gab! Hedera ging in das Lager und nahm sich einen Salatkopf, den Finja vom Vortag vom Markt gebracht hatte, und machte eine Schüssel voll Salat mit gerösteten Nüssen und frischen Beeren. Vielleicht brachte die Heilerin auch noch etwas frisches Brot mit![Bild: mbchSHeewrl4oHhPRYKoOdF31S6-YvqqTwmYVzHy...fCOL0REcvg]
Es war ein guter Abend und nachdem Finja und Hedera satt waren, nahm auch Arti wie fast jeden Abend die Reste freudig entgegen, bis auch er satt war. Oft brauchte er abends nichts mehr, weil Finja tagsüber mit ihm zum Fluss ging, damit er sich selbst etwas fangen konnte, oder auf den üblichen Gassiwegen die Beerensträucher abgegrast hatte.
Am nächsten Tag war das seltsame Gefühl des Glücks wieder vorbei, aber Hedera krämte sie nicht, sondern versuchte auch an diesem Tag, der ein bisschen grauer wirkte, das Beste zu machen.
Wieder ging sie also nach ihren Arbeiten in ihre Höhle um wieder eine Schicht aus Stroh und Erde an die Wand zu werfen. Als sie mal wieder vom Scheitel bis zu den Zehen in Schlamm bekleistert war, hörte sie einen lauten Schrei von einem Tier. Es klang nach einem Reh. Schnell schlüpfte sie hinaus und fand das Tier fast schon auf ihrem Dach liegend, es hatte einen Pfeil in seinem Oberschenkel, aber es war auch sehr klein, kein Jahr alt. Etwas wütend und besorgt sah sich Hedera um, es gab eigentlich die Jäger Regel: „Kein Tier, das nicht einen Winter alt war.“ Sicher gab es davon Ausnahmen, verkrüppelte Tiere zum Beispiel. Aber dieses Tier war erst ein oder zwei Monate alt und bis auf den Pfeil und Schock Gesund, soweit Hedera das sagen konnte. Nein diesen Jägern würde sie nicht helfen, also schnappte sie sich das Tier das entsetzt aufrief und versuchte zu strampeln und brachte es in ihre Höhle. Sicher bekam Hedera ein paar Tritte ab und sicher würden das ein paar Hübsche blaue Flecken geben, aber das war ein Problem für später. Jetzt erst mal legte sie das verschreckte Tier in ihrer Höhle ab und schloss die Tür um nicht direkt gefunden zu werden. Drinnen war das arme Reh in einem Schockzustand und rührte sich nicht mehr. Das kam Hedera recht zugute, so konnte sie den Pfeil betrachten und die Wunde. In ihrem Rucksack war meistens etwas für Notfälle, ein bisschen Verband, ein bisschen salbe, eine winzige Flasche mit Alkohol zum desinfizieren, etwas Nähzeug und Harzkleber. Den Kleber stellte sie an die Feuerstelle, die sie gerade angemacht hatte, als sie den Rehschreih gehört hatte. Der musste erstmal warm werden, damit er flüssig wurde. Indessen legte sie sich alles bereit wie sie es von Finja gelernt hatte, ob sie stolz gewesen wäre? Dafür hatte Hedera gerade keine Zeit, sie hatte da gerade ihren ersten Patienten auf dem Bett liegen der sie mit riesigen Angsterfüllten Augen anguckte. Aber Hedera blieb so ruhig, als sie mit einer Hand ein paar Stoffreste mit Salbe tränkte und eine kleine, nicht mal handgroße Flasche Alkohol bereitstellte. Dann ging alles sehr schnell.
„Wenn du einen Pfeil herausziehen musst, musst du dich beeilen. Der Pfeil wirkt nämlich wie ein Stopfen für das Blut, das heißt: Wenn du ihn rausziehst, wird die Sache sehr schnell sehr blutig und du wirst sehr schnell nichts mehr sehen können. Dennoch darfst du nicht herzen, denn du willst weder dass der Pfeil abbricht, noch dass sich Splitter lösen. Als Vorsichtig mit einer Hand den Pfeil in dieselbe Richtung ziehen, aus der er geschossen wurde, dann mit der anderen sofort die Wunde zu drücken. So sollte es nicht sehr bluten. Den Pfeil kannst du erst mal wegwerfen und die Wunde desinfizieren, wir wollen keine Reste vom Pfeil in der Wunde, auch keine, die wir nicht sehen! Jetzt nimm das Salbentuch und press es in die Wunde. Der Körper schiebt das raus, wenn er heilt, darfst du nur nicht zunähen. Gut. Jetzt vorsichtig, der Verband darf nicht zu fest sein, aber fest genug damit nichts rausfällt, ist der Verband zu fest, könnte etwas abgedrückt werden und absterben, wenns zu locker ist, dann fällt das Salbentuch raus. Fertig. Jetzt kannst du dir angucken was deinem Patienten noch fehlt und dich darum kümmern.“
Und so war auch schon alles vorbei. Das Reh, sicherlich hatte es große Schmerzen im Bein, aber sicher nicht so schlimm wie mit dem Pfeil, war immer noch verängstigt, aber auch sehr erschöpft. Hedera wusch sich etwas die Hände mit kleinen Seifenresten, die sie in ihrem Notfallset dabei hatte, um das Blut herunter zu bekommen. Es war alles so schnell gegangen, dass sie ganz vergessen hatte zu Mittag zu essen. Aber sie hatte ja alles da, noch einen Wasserschlauch mit Wasser, um sich vor der Höhle die Hände zu waschen und etwas zu trinken . Aber sie guckte zu dem Reh, das den Kopf auf den Strohsack gelegt hatte, es war entweder fix und fertig mit der Welt und wartete seinen Tod ab. Hedera seufzte etwas, sie hatte nichts mehr zu trinken für das Reh, aber eine Idee. Eine halbe Stunde später öffnete sie die Tür der Höhle wieder und brachte ihrem Patienten eine große Schale voller Beeren und Nüsse, die sie gefunden hatte. Sie hatte doch gewusst, es war eine gute Idee, die Büsche direkt bei der Höhle erstmal unberührt zu lassen, für den Fall, dass sie mal schnell etwas brauchte.
Das Reh fraß hungrig und wollte schon wieder aufstehen, aber Hedera drückte das tief vorsichtig zurück auf den Strohsack.“Hoo, langsam. Du brauchst noch ein bisschen Ruhe und die Jäger suchen dich bestimmt auch noch, bleib erstmals noch hier.“ sprach sie ruhig mit dem Tier und guckte zur Tür. Hier drinnen war das Tier erst mal sicher vor allen, niemand würde wagen sie hier in der Höhle anzugreifen, schon gar nicht für ein so junges Tier an dem kaum etwas dran war. Zumindest war Hedera davon überzeugt und lies ihrem Patienten soviel Platz wie sie konnte in dem sie sich an die Türe setzte und nach draußen lauschte. Ja. Die Jäger suchten ihre Beute noch immer. Jagt euch doch lieber Wildschweine oder Hasen, an denen ist mehr als an Rehgina. Es dauerte eine ganze Weile, aber nach ein paar Stunden hatten die Jäger aufgegeben und gingen, soweit Hedera einschätzen konnte, nach Westen über den Fluss. Mh? Dann waren sie gar nicht aus Fichtenhall? Noch besser. Jetzt konnte Hedera ihre Sachen wieder packen, den Rucksack auf die Schultern und wollt Rehgina auf die Arme nehmen. Dieser ging es schon sehr viel besser. Finja hatte das mal gesagt: Je jünger der Patient um so heikler die Behandlung, aber um so schneller scheinen sie sich zu erholen. Auch ihr Reh wollte schon wieder alleine stehen und seiner Wege gehen. Hedera war sich nicht sicher was sie machen sollte, also tat sie das beste was sie konnte. Sie prüfte nochmals den Verband, ehe sie das Tier herunter ließ und nochmals eine Schicht Verband auf die Wunde tat und den letzten Schnipsel mit einem Tropfen von dem Harzkleber zu machte. Das sollte helfen, dass der Verband ein paar Tage halten würde. Etwas unsicher, aber hoffend Rehgina würde wissen was zu tun ist, ließ sie das verängstigte Tier wieder frei, den Pfeil allerdings nahm sie mit, das würde sie den Jägern von Fichtenhall zeigen. Viele Jäger erkannte man an ihren Pfeilen. Das Rehfohlen quiekte und trapste schnell davon. Sicher wollte es wieder zu seiner Mutter, so jung wie es war, war diese sicher noch in der Nähe wenn die Jäger sie nicht erwischt hatten. Aber tatsächlich konnte sie Mutter und Kind noch erspähen als sie auch nach Hause aufbrach, das war genug Aufregung für einen Tag. Hedera konnte nur hoffen, dass das kleine Reh wieder vollkommen gesund werden würde, sicher würde dann auch der Verband abfallen, wenn er nicht jeden Tag kontrolliert würde. Zuhause erzählte sie den Jägern von Fichtenhall von den Vorkommnissen, ebenso wie sie begeistert Finja von ihrem allerersten Patienten erzählte.
[Bild: 0oEvo4hWBr0s77dQcJRT961IUnjLSk2-VHRJlDtx...NkdCBt1AvQ]
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#9
Winter. Zweites Jahr.


Es hatte lange gedauert aber jetzt hatte Hedera alles was sie brauchte. Monatelang hatte sie dafür gearbeitet. Hatte den Händlern geholfen die in den Ort kamen, hatte jede Mission angenommen die sie auf dem Anschlagbrett hatte finden können, sogar so sehr das die alte Heilerin und Finja sich beschwert hatten, sie hätte ihre Pflichten vernachlässigt. Womöglich hatte sie das sogar. Aber ihr Projekt für das Winterfest hatte sie in Beschlag genommen und jetzt so kurz vor dem Finale konnte sie nicht langsamer machen, sondern musste extra viel arbeiten. Jetzt hatte sie alles zusammen und sah das kleine Weidenkörbchen an das voller Dinge war, lange hatte sie darauf gewartet, aber am Morgen des Tages kam endlich der Kurier der ihr alles brachte. Es war teuer und hatte einen endlosen Sommer lang gedauert überhaupt einen Kurier zu finden der die Weite strecke lief. Schlussendlich war es eine Anfrage von Antonio, bei dem sie sich unbemerkt mit an den Kurier wendete. Jetzt war er endlich wieder da und hatte ihre Waren zu dem Vereinbarten Treffpunkt gebracht: ihrer Höhle. Dann erst bedankte er sich noch für ein kleines Notfallset das sie ihm als Bezahlung mit gab. Das Geld für die Waren hatte er schon lange erhalten. Aber es hatte bis heute Gedauert das sie auch alles beisammen hatte. Jetzt musste sie nur einen Ort finden an dem sie Arbeiten konnte ohne das jemand mitbekam was sie da eigentlich tat. Es dauerte wieder eine Woche bis sie endlich einen der Bäckersjungs zu fassen bekam und mit ihm abmachen konnte, das sie die Backstube eine Nacht lang benutzen dürfte für ihr Projekt. Natürlich vorausgesetzt sie hinterließ alles so wie sie es Vorfand und in diesem Fall war sogar der Bäcker und seine Frau einverstanden, wenn sie denn dann ein Auge auf die Teiglinge hätte und sich darum kümmern würde das die Stube warm blieb. Normalerweise wechselten sich die beiden im Winter ab, damit der Teig nie eiskalt wurde.
Hedera war mehr als bereit, auch noch die ganze Stube so sauber zu wischen, wie sie es sonst mit der Heilerstube tat, das war ein Angebot, das der Bäcker oder eher seine sehr kritische Frau nur ungern ausschlugen. Alles was Hedera wollte war Feuerholz, einen Topf und die Genehmigung beides für Stunden zu benutzen.
Der Plan stand also.
Am nächsten Abend ging sie zum Schein in ihr Bett, aber kaum das Finja eingeschlafen war, schlich sie sich hinaus zum Bäcker wo sie ihre Wertvolle Fracht schon gebunkert hatte, durch die Hintertüre hinein, Bedankte sich noch bei dem Bäcker der auf sie gewartet hatte. Damit konnte ihr Plan beginnen.
Es war auf der Überfahrt gewesen, als sie zu den Westwind Inseln fahren wollte, als sie davon zum ersten Mal gekostet hatte. Das Schiff, auf dem sie waren, hatte den Namen Sternenzelt und war das Schiff eines Händlers, der regelmäßig zwischen dem Festland und den Inseln hin und her schipperte. So erfuhr sie eigentlich auch von dem Rezept, aber sie hatte es lange vergessen. Zu traumatisch waren ihre Erlebnisse mit den Piraten und der Sklaverei. Doch im Frühling dieses Jahres hatte sie sich wieder daran erinnert und den Plan gefasst, dieses Rezept neu für die Grenzlanden zu erfinden.
Viele der Zutaten des Händlers bekam man hier nur schwer, andere wiederum waren kein Problem. Piment wuchs in diesen Wäldern wild, das hatte sie also.[Bild: QZ-MbkQRRGybSgPfHVK4_wnNBI2OME6v-L2kWA63...Ic9_80fKKQ]
Auf den guten Rohrzucker musste sie verzichten, aber sie hatte etwas noch besseres hier aus dem Norden gefunden: Malzzucker.
Das war ihr Projekt für den ganzen Sommer gewesen: dem Bauern helfen so das sie an genug Gerste kam um den Wertvollen Zucker herzustellen. Das Rezept befand sich ja im Buch der Heilerin. Sie nutzte den Zucker normalerweise um Kindern Medizin zu verabreichen. Für Hedera war es also gar nicht so schwer in der Heilstube bei den üblichen Herstellungen an der großen Kochstelle auch eine größere Menge des Zuckersirups herzustellen. Sicher die Alte hatte sich gewundert, aber Hedera hatte nur augmentiert, das es ja jetzt so viel Kinder wären und hatte ja auch ihre eigene Gerste dafür beim Bauern erarbeitet. So sprach nichts dagegen.
Die Herstellung des Malzes dauerte ungefähr 3 Wochen, aber das war in Ordnung, da es so nebenbei passierte. Am ersten Tag brachte Hedera die Gerste auf einigen flachen Tabletts aus, die eigentlich zum Trocknen dienten. Jetzt würden sie 3 Wochenlang das Gegenteil aushalten müssen: Die Gerste wird jeden Tag mit Wasser vorsichtig bespritzt und mit einem Tuch zugedeckt. Alles in einem Schuppen, damit es dunkel blieb. Das ging so ein paar Wochen: immer wieder frisches Wasser vorsichtig mit den Fingern drauf, damit die Gerste unter den Tüchern langsam spross und durch die Dunkelheit weis blieb.
Nach 3 Wochen war die Gerste endlich soweit, sie wurde gelb an den langen Spitzen und schmeckte herrlich süß. Vorsichtig wurden die Sprösslinge von dem Tuch gezogen, in das sie fast schon rein gewachsen waren. Alles in einen sauberen Topf der eigentlich für Suppen war, aber es waren soviel Tabletts mit Gerste, das ein Eimer nicht in frage gekommen war, schon gar nicht weil Hedera sich von der Alten angewöhnt hatte nur mit Metall und sauberen Holz zu arbeiten wenn es um Nahrungsmittel ging.
6 Tabletts weiter, ging es in die Heilerstube, wo alles mit einem Messer erst fein gehackt wurde, dann mit klarem abgekochtem Wasser aufgegossen wurde. Dann wanderte das nun milchige Gemisch auch noch durch die kleine Handmühle, die Finja sonst nutzte, um ihre Pulver zu mahlen, aber auch die Alte nutzte das gerne um Wurzeln erst in Paste zu mahlen ehe sie diese einkochte. Dieselbe Technik machte sich auch Hedera zunutze, um einen weißen Brei aus der Mischung zu mahlen. Alles aufgefangen im großen Kupferkessel. Mit einer Büste, die eigens zum Reinigen des Mühlsteins gemacht worden war, wischte sie alles aus, damit sie so viel in ihrem Kessel hatte, wie es nur ging. Der Kessel war schwer, so schwer, dass sie beide Arme brauchte, um ihn zum Feuer zu schleppen, aber jetzt hieß es: Warten und rühren, aber erst mal warten. In der Zeit reinigte sie den Mühlstein und alles, was sie bisher gebraucht hatte für die Herstellung.
Als alles endlich einmal warm geworden war, musste sie auch schon den zweiten Kessel herholen, denn jetzt musste alles gefiltert werden. Das dauerte nochmal eine Stunde, da Hedera geizig mit Materialien war, aber nicht mit Arbeit, also presste sie selbst das, was sich in dem feinen Filtertuch hängen geblieben war, noch richtig aus, wobei sie sich dabei fast ihre Finger verbrannte. Aber das waren die letzten Tropfen einfach wert. Lieber steckte sie ihre Finger zwischendrin in kühles Wasser, ehe sie weiter drückte, bis sie sich sicher war, auch den letzten Rest herauszuholen.
Die trockene Masse gab sie in einen Topf, sie war ein bisschen größer als ein Kinderkopf, aber eine unglaubliche Leckerei für Arti. Er liebte es wenn das mit etwas Fisch, Beeren oder Fleisch in seiner Schüssel landete. Das Tuch hing sie erstmal zum Trocknen, das sie später waschen, zurück bei der milchigen Flüssigkeit brauchte sie Finjas Hilfe, um den Kessel umzuhängen, zu sehr waren ihre Arme ausgelaugt vom Pressen des Gerstenrests. Aber jetzt war es nur noch rühren und rühren. Die ganze Nacht lang rührten sie unentwegt bis sie am Morgen endlich abgelöst wurde von der alten Dame. Fast 8 Stunden lang hatte sie am Topf gestanden und immer wieder gerührt damit nichts anbrannte, aber jetzt war es soweit das sie die Goldbraune Masse endlich abgießen konnten.
Die Heilerin besaß für solche Zwecke eine Form, es waren mehrere Bretter mit Kerben die so zusammen gesteckt wurden das es viele kleine hohe Quadrate wurden. Schnell war alles eingefettet, zusammengesteckt und schon konnte Hedera mit Finja zusammen den jetzt leichteren aber heißen Kessel über der Form ausgießen, während die Alte die zähe Masse in die Quader schob. Hedera stellte sicher das selbst der letzte Krümel noch aus dem Kessel gekratzt wurde ehe sie, um den Rest aus dem Kessel zu holen, darin eine sehr große Menge an Tee kochten, der an diesem Tag über das Fenster der Heilstube an jeden Verteilt wurde der etwas davon wollte und der Malztee war extrem beliebt bei den Kindern. Die Form brauchte 2 Tag zum auskühlen und bis sie fest genug war um sie zu lösen.
Aber Hedera hatte was sie wollte: von dieser Ausbeute würde sie einige Quader brauchen für ihren Plan, aber das ginge schon, denn sie hatten auch noch eine Menge im Lager von diesen Zuckerquadern.
Zurück im Winter ließ Hedera etwas mehr als 2 Liter in den bauchigen Topf und ließ den Zucker darin schmelzen. Nun gab sie nach und nach ihre Wertvolle Beute hinein, die Rinde eines Baumes aus dem Süden, Piment aus den Wäldern der Grenzlande, eine Hand voll Würziger Samenkapseln aus dem Westen, Fenchelsamen aus dem Norden, und darauf hatte sie solange gewartet: Gewürze von den Westwindinseln. Sie waren teuer und man kam nur schwer daran, aber Hedera hatte es geschafft, eine winzige Menge kaum mehr als einen Teelöffel davon zu bekommen. Aber das reichte ihr.
Sie musste alles nach Geruch und Geschmack justieren, denn sie wollte so nahe harren an das was sie auf dem Schiff bekommen hatte, wie sie nur konnte. Etwas fehlte noch. Lange saß sie neben dem Topf der langsam immer weniger wurde und einkochte, als sie endlich die richtige Eingebung hatte: Es fehlte noch etwas aus der Heilstube, schnell war sie aus einem Fenster geschlüpft, bei der Heilstube hinein und hatte sich ein Glas geholt: die Blüten einiger Blumen die hier in der Gegend wuchsen und einen fast schon samtigen Geschmack hatten. Finja nannte sie immer Milchblumen weil der Cremige Geschmack sie immer an Milch erinnerte. Das hatte noch gefehlt, jetzt war der Geschmack endlich „rund“. Hedera war zufrieden mit ihrer Mischung, das Restliche Glas würde sie morgen früh zurück in Heilstube bringen. Sie hatte ohnehin nur sehr wenig davon gebraucht. Mit Ausnahme des Zuckers und des Wassers hatte sie ohnehin nur wenig gebraucht um genug herzustellen.
Am nächsten Morgen war sie auf dem Stuhl neben der Feuerstelle eingenickt. Neben ihr auf der Arbeitsfläche, wo die Teiglinge ruhten, standen 8 volle kleine Flaschen mit einer Goldbauen durchsichtigen Masse darin, die sich nur träge bewegen lies. Neben dem aus glühenden Feuer stand der leere Topf in dem nur ein kümmerlicher Spiegel Rest am Boden klebte, das aus dem Filtertuch nachgetropft war das in einem groben Sieb über dem Topf oder eher auf dem Topfrand hing. Hedera war fix und fertig, aber was sie machen wollte, hatte sie gemacht und es kühlte gemütlich den Raum wärmend ab.
An diesem Morgen fragte JEDER, der zur Backstube kam, nach dem ungewöhnlichen Duft, der sich in der Backstube breit gemacht hatte, keiner konnte sagen, wonach es roch, aber alle waren es einig, dass es einfach himmlisch würzig roch.
[Bild: QEPpJ9ryu0VEefXUkDdWel3J_v0GlvezWprp_K7M...0bIuHWd2aQ]
Der Bäcker selbst hatte den Rest im Topf auch probiert und war so fasziniert gewesen, dass er den Topf mit Wasser aufgekocht hatte, das er dann als Glasur für seine Brötchen an diesem Tag nutzte. So schnell war er noch nie alle seine Brötchen los geworden.
Einige Tage später hatte sich der Ansturm beim Bäcker gelöst und das Winterfest stand wieder ins Haus.
Das Rezept hatte sie für das Rezeptbuch der Alten und das Neue von Finja aufgeschrieben, so gut sie es konnte mit Zeichnungen und Beschreibungen der Zutaten, wo immer ihr die Begriffe fehlten. Und dazu gab es für jede der Frauen eine Flasche des goldenen Sirups, den Hedera „Chaise"-Sirup nannte und die Flaschen auch damit beschriftet hatte.
Chaise,.. das war ein uraltes Wort, das in ihrer Heimat eine besonders weit gereiste Kutsche beschrieb, irgendwie passend für sie selbst und auch die Gewürze.
Finja und die alte Dame bekamen je eine Flasche und ein Rezept, Die Angelobrüder je eine Flasche und eine an August. Die letzten der 8 Flaschen stellte sie in das Lager der Heilstube, sicher würde der Sirup helfen, wenn die Pulver und andere Medikamente mal wieder ungenießbar waren.
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#10
Frühling. Drittes Jahr
Hederas Vergangenheit und Zukunft.


Endlich war es wieder warm und Hedera konnte wieder lange Spaziergänge machen und die Sonne auf ihrer Haut genießen und den Wind in ihren inzwischen sehr langen Haaren. Es tat gut auch mal wieder den Duft von Blumen wahrzunehmen und nicht nur diese grässlichen Parfums. Die meisten brachten Hedera nur entsetzliche Kopfschmerzen, daher machte sie auch einen Bogen um die meisten der „hohen Damen“, die sich lieber besprühten als mal ordentlich zu baden. Seltsame Leute. Dabei war die Seife, die, die ältere Heilerdame herstellte so angenehm. Sie machte die Seife aus Schafmilch und Kräutern und roch sehr nett, sehr viel besser als diese strengen Parfums.
Hedera lächelte als sie an einer kleinen Wiese vorbeikam, die Schneeglöckchen standen in voller Blüte und ein paar wilde Tulpen streckten die Knospen, sie würden bald blühen, dann würde auch Arti wieder aufwachen und sie konnte wieder mit ihm durch den Wald streifen. Sie vermisste ihren kleinen großen Bruder, der immer noch nur kurz aufwachte, um schnell etwas zu essen und zu trinken, ehe er direkt wieder einschlief. Finja schien es nicht zu stören, das der Bär den ganzen Winter durch schlief und versuchte Hedera damit zu trösten, das er als wieder aufwachen würde und sie ja in der Zeit mehr zu Essen hatte, dabei jagte sich Arti den meisten Sommern und Herbst selbst sein Essen aus dem Fluss oder fraß die Reste die bei den Jägern kaum jemand wollte. Zum Beispiel schlechte Häute oder wenn die Organe der erlegten Tiere nicht gut aussahen. Oft kamen sie damit zu der älteren Heilerin oder Finja, um sich eine zweite Meinung zu holen.
Hier im Norden gab es hin und wieder einen Wurm der die Tiere befiel und sich durch Adern und Organe zu fressen schien, vorsichtshalber hatte man den Verzehr dieser Tiere untersagt, da man nicht ganz sicher sein konnte ob man diese Parasiten durch kochen überhaupt weg bekommen konnte. Aber Arti fraß es ohne Schwierigkeiten, generell war es absolut kein Kostverächter und anders als die meisten Hunde war er ab irgendeinem Punkt auch einfach satt. Hedera machte sich zwar dann und wann Sorgen das der Bär die Würmer bekommen könnte, aber Finja hatte ihr gesagt das es kein Problem wäre, wenn sie das Fleisch nur vorher gut durchkochten, nur für Menschen war es sicherer, lieber auf dieses Fleisch zu verzichten.
Weiter ging sie durch den Wald und sammelte hier und da immer wieder junge Farne, die sich streckten, frische junge Kräutertriebe und besonders Glücklich war sie über einen Baum, den sie mit einem Seil markierte. Das sollte den Holzfällern und Jägern zeigen, das man diesen Baum nicht fällen sollte: Er war über und über voll mit Baumpfifferlingen. Hedera hatte diese würzigen Pilze bisher nur ein einziges Mal zuvor gesehen, sie waren eine seltene Delikatesse und die Bäume die diese Pilze trugen, waren selten. Aber noch war keine Zeit die Pilze zu ernten, es war nur eine dünne, orangene gelbe Schicht über der Borke verteilt, es würde noch bis zum Sommer dauern, bis etwas zum Sammeln da war.
Schnell markierte sie den Baum auf ihrer kleinen Karte, die sie sich angewöhnt hatte.[Bild: -_CDCcvjV7uyjo_K_nNyk-boBHxwGbHiNSLW7uEA...6jUOi0QRKg]
Wie oft hatte sie gute Kräuter auf ihren täglichen Routen gefunden und mitgebracht, konnte aber der Heilerin kaum sagen, wo sie sich befanden. Also versuchte sie zumindest grob eine Karte zu führen, wobei sie die benötigte Zeit angab und andere Wegweiser wie die kleine Wiese mit den Schneeglöckchen und Tulpen. Zuhause würde sie alles so sauber es ging auf ein Papier übertragen. Eigentlich hoffte und verfluchte Hedera den Tag, an dem ein Kartograph nach Fichtenhall kommen würde. Er würde auch ihr Versteck in seine Karten eintragen wollen, wie so viele andere Dinge.
Sicher würde derjenige auch eine Karte für die Heiler anfertigen wo die wichtigsten Kräuterwiesen markiert waren, damit aber auch die ganzen Wege die Hedera immer bewanderte. Aber früher oder Später würden sie eine Karte brauchen, die die wichtigsten Kräuterwiesen zeigten und vor allem die Stellen der seltenen Kräutern, damit auch andere die Kräuter finden könnten, falls einer oder mehr der Heilerinnen ausfielen, oder neu angelernt werden mussten. Für einen Moment besorgte Hedera dieser Gedanke, das jemand sie ersetzen könnte als Lehrling der Heilerinnen, dann schüttelte sie sich, nein. Niemand könnte sie je ersetzen, vorher hätte sie sicher ihre Ausbildung abgeschlossen und würde selbst jemanden Ausbilden. Vor allem würde ihr aber niemand wegnehmen können was sie hatte.
Wegnehmen? Hedera setzte sich auf einen nahen Felsen und musste sitzen bleiben, als ihre Vergangenheit sie wieder einholte.
Ihre Familie in Kaledon, die Überfälle durch die Räuber. So hatte sie ihre Familie verloren. Sie hatte den Druiden gemocht, dem sie anvertraut worden war. Auch die Händler die sie nach Neu Corethon bringen sollten, waren sehr nett gewesen. Doch die Piraten hatten auch ihr auch das genommen und sie in die Sklaverei verkauft, wo sie dann alles andere verloren hatte, Freunde, Beschützer und nicht zu Letzt auch ihre Freiheit. Ihr Gesicht wurde feucht und wurde kühl als der Wind ihre Tränen traf. Die Erinnerung an diese Zeit war immer noch sehr schmerzhaft und traf sie bis ins Mark. Sie vermisste ihre Geschwister und ihre Familie, auch wenn es hier eigentlich gut ging. Vielleicht würde sie irgendwann wieder nach Kaledon kommen, in das Dorf ihrer Kindheit. Vielleicht waren ihren Geschwister dort und auch ihre Eltern, vielleicht waren alle wieder dort und sie könnte mit ihrem neu erlangten Wissen helfen.
Ein schöner Gedanke, den sie sich bewahrte, als sie ihre Tränen trocknete. Aber hier war sie nicht fertig, sie hatte auch hier eine Familie und Freunde und die brauchten sie, oder vielmehr hoffte sie das und wünschte es sich. Auch hier brauchte man sie und ihre Fähigkeiten, auch wenn sie noch nicht gut war, um ihre Freunde zu beschützen, sie in der Lage zu helfen und andere zu heilen, wenn sie durch ihre Unfähigkeit verletzt wurden. Aber das war ok , denn sie konnte noch lernen, besser werden und ihren Beitrag leisten, auch wenn es vielleicht nicht viel war.
Hedera strich sich die Kleider glatt und stand wieder auf, sie sollte zurück zum Dorf und mit Finja reden. Das half ihr immer, wenn ihre Vergangenheit ihr auf der Seele brannte.
Auf dem Heimweg sammelte sie ein paar Steinchen vom Flussrand ein. Das war ihre übliche Wegfindung: Sie merkte sich in welche Richtung sie das Dorf verlassen hatte und musste dann nur noch den Fluss finden und ihm folgten zurück nach Fichtenhall. Einige Sprossen Mine und einige Steine weiter, war sie wieder Zuhause, platzierte die Steine auf der kleinen Mauer, die sie pflegte und immer wieder einen Stein dazu legte. Langsam wuchs ihre Mauer um den Garten, manchmal grub sie auch vorsichtig eine Pflanze aus dem Wald aus und brachte sie in den Garten, mitsamt ihrer Erde. Manchmal hatte die ältere Heilerin sich darüber beschwert, weil der Garten langsam voll wurde. Aber Hedera fand es gut so, denn so hatte sie die Möglichkeit, die Pflanzen aus den Grenzlanden besser zu studieren, weil sie sie besser beobachten konnten. Finja mochte die Idee, sie fand es gut sich m mit den Kräutern der Grenzlande noch besser vertraut zu machen, als sich immer auf Import von Kräutern zu verlassen, denn vielleicht war das irgendwann ja gar nicht mehr möglich, darüber hinaus konnte man sehr viel Geld sparen, wenn man eigene Kräuter anbaute und vielleicht sogar exportieren konnte.[Bild: LLxrrW748KWz9c1bqwPfCniIXyfO4Zg1kGma109O...GbKDZSC-CA]
Hedera pochte ja auch schon seit über einem Jahr darauf das man die Notfallsets die sie herstellte sicher auch gut wären als Ware die man anbieten könnte, doch die ältere Dame war davon alles andere angetan: „Wenn man den Leuten alles gibt um sich selbst zu versorgen, dann kommen sie nicht mehr zu uns!“. Wie oft sie diese Streitereien hatte und wie oft, musste Finja als Vermittlerin dazwischen gehen. Grundsätzlich fand sie Hederas Vorschlag zwar sehr gut, konnte aber die Bedenken der Älteren nicht ausräumen, also blieb es bei der alte Weise. Dennoch tat Hedera ihr Bestes, um zurück in der Heilstube immer ein bis 4 Notfallsets zu haben, die Jäger fragten gerne danach und auch die Holzfäller hatten sich ein solches Set schon geholt. Natürlich unter dem Versprechen, bei Verletzungen dennoch danach zur Heilstube zu kommen.
Für den Fall hatte sie sogar mal Entwürfe auf Papier gezeichnet von 2 Versionen, einer Tasche für Jäger und einen Koffer für Händler. Finja hatte noch angemerkt, dass man beides am besten noch mit einem Symbol oder so versehen sollte, damit selbst Uninformierte nicht Heiler wussten was es damit auf sich hatte. Also hatte Hedera Symbole vom Heilerbuch kopiert.
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